Zeitung Heute : Einmal um die ganze Welt - Der Oster-Dreiteiler der ARD

Thomas Gehringer

"Wir haben nur drei Stunden Verspätung und gelten damit als pünktlich." Heidegret Klöter ist zwar auf Gleisen der Firmen Krupp und Hoesch unterwegs, doch so großzügig rechnet die Deutsche Bahn AG nun auch wieder nicht. Nein, die Afrika-Expertin reist für die ARD quer durch Tansania auf der "Route der Sklaven". Mit diesem Titel eröffnet der Film am Karfreitag, um 21 Uhr 45, den Oster-Dreiteiler "Zug um Zug".

Die "Mittellandbahn", die die deutschen Kolonialherren 1914 fertigstellten, entsprach genau dem Weg, auf dem Schwarzafrikaner jahrhundertelang von arabischen Sklavenhändlern verschleppt wurden. Heidegret Klöter sammelte auf der noch heute befahrenen, 1250 Kilometer langen Route von Daressalam nach Kigoma am Tanganjika-See Eindrücke vom afrikanischen Alltag. Freilich stößt sie auch immer wieder auf Spuren der Kolonialgeschichte, etwa auf den 80-jährigen Stammeschef, dessen Vorfahren sich den Deutschen nicht ausliefern mochten und Selbstmord begingen.

Bilder vom kargen Leben in spektakulärer Landschaft zeigt Sonia Mikich im zweiten Teil. Für den Film "Im Reich des Kondors" (Ostersonntag, 21 Uhr 45) reiste sie rund 1000 Kilometer durch Peru, von der Inka-Stadt Machu Picchu bis zum Titicaca-See. Mit dieser abenteuerlichen Reise durch die Anden erfüllte sich die Leiterin des Pariser ARD-Studios einen Kindheitstraum. Allerdings: "Abends habe ich an der Flasche gehangen" - an der Sauerstoffflasche -, denn die Fahrt geht in bis 4300 Meter Höhe. Auch Sonia Mikich steigt unterwegs aus, um das Leben am Rand der Strecke zu beschreiben. So trifft sie eine junge Frau, die sich und ihre Familie durch den Verkauf von Butterbroten im Zug über Wasser hält. "Die Armut hat immer ein Indio-Gesicht", stellt die ehemalige Moskau-Korrespondentin fest.

Nicht einmal 100 000 Mark habe jeder Film gekostet, berichten die Redakteure der "Zug um Zug"-Reihe stolz. Mit kleinen Teams waren die Reisereporter jeweils zehn bis 14 Tage unterwegs. Leider hatte neben Sonia Mikich auch Robert Hetkämper in Indonesien gelegentlich mit Regen zu kämpfen, doch die Fahrt von Surabaya nach Bali bietet auch bei mäßigem Wetter malerische Motive im Übermaß. Für den langjährigen Tokio-Korrespondenten Hetkämper, derzeit im ARD-Studio Washington, bedeutete diese ebenfalls 1000 Kilometer lange Reise eine Rückkehr in die asiatische Welt: diesmal in ein Land, "in dem sanfte Menschen vergiftete Dolche tragen", sagt Hetkämper. Er erzählt vom Mythos des einstigen Herrschers Gajah Mada, dessen Kris (Dolch) und Maske dem Besitzer noch heute Macht verleihen sollen. Sein Film "Das Geheimnis der Java-Maske" (Ostermontag, 21 Uhr 45) beschließt die Reihe der Autorenstücke aus drei Erdteilen.

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