Zeitung Heute : Ei(n)malig

ProBioGen: neue Wege bei der Impfstoffproduktion

Das Impfen gegen die Schweinegrippe ist täglich das große Thema – aber wie viele der Impfstoffe entstehen, darum geht es selten. Sie werden, wie einige andere so genannte Vakzine auch, in bebrüteten Hühnereiern hergestellt. Dazu spritzt man Impfstämme von Viren in die Eier. Die Viren vermehren sich in den Zellen des Hühnerembryos millionenfach. Nach einigen Tagen werden sie geerntet, wie es in der Fachsprache heißt, abgetötet und gereinigt. Einmal dem Menschen gespritzt, sollen sie das Immunsystem anregen, Antikörper zu bilden.

Doch diese Art der Herstellung ist kosten- und zeitaufwändig. Das Berliner Biotechnologieunternehmen „ProBioGen“ hat Zellen zur Impfstoffproduktion entwickelt, mit denen man ganz auf angebrütete Eier verzichten kann – und erhielt dafür den Innova- tionspreis Berlin-Brandenburg 2009.

Basis sind auch hier Vogel-, genauer gesagt Entenzellen. Die Forscher haben daraus so genannte Zelllinien gewonnen, das heißt, sie haben innere Mechanismen aufgehoben, die die Teilungsfähigkeit begrenzen. Anders als so genannte primäre Zellen, die direkt aus dem Gewebe isoliert werden, und irgendwann aufhören, sich zu teilen. „Unsere Zellen können wir für spezielle Anwendungen gezielt vorbereiten und unendlich vermehren“, sagt Ingo Jordan von ProBioGen, der die Zelllinien zusammen mit Volker Sandig erfunden und entwickelt hat. Hersteller können sich unabhängig von der Produktion von Hühnereiern machen. Das Vogelvieh muss in gefilterter Luft und mit speziellem Futter aufwachsen, damit die Eier frei von Krankheitserregern sind. Nicht immer gelingt es, dass sich die Impfviren in den Embryonen wie gewünscht vermehren. Dann kann es schnell zu Lieferschwierigkeiten an Impfdosen kommen, schließlich ist es aufwändig Nachschub dieser kostbaren Eier aus den wenigen speziellen Hühnerfarmen zu besorgen. Trotz umfangreicher Kontrollen kann es außerdem vorkommen, dass Impfchargen verloren gehen, weil sie verunreinigt sind. „Mit stabilen Zelllinien sind zumindest diese Herausforderungen kontrollierbar“, sagt Ingo Jordan. Mit der Innovation der Berliner Forscher könnten aber nicht nur Impfstoffe gegen Grippe sondern auch gegen Aids, Tuberkulose oder Hepatitis C in großen Mengen produziert werden. Statt in Zellen eines Hühnerembryos vermehren sich die Viren in den Zelllinien.

„Die Innovation ist weltweit einzigartig und bietet ein großes Forschungs-, Entwicklungs- und damit Marktpotenzial. Sie stellt eine neue technologische Grundlage für die Impfstoffproduktion zur Verfügung. Sicherheit und Stabilität der Zelllinien machen eine schnelle und flexible und Produktion in großindustriellem Maßstab möglich“, heißt es in der Jurybegründung zu den Gewinnern des Innovationspreises 2009.nap

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