Zeitung Heute : Einsatz gegen Ausbeutung

Der Tagesspiegel

Potsdam. Große Ehrung für eine Potsdamer Studentin: Heute wird Cathrin Schauer mit dem Preis „Frauen Europas - Deutschland 2002“ ausgezeichnet. Grund: Gemeinsam mit Ludmilla Irmscher engagiert sich die 39-Jährige gegen Kinderprostitution in der tschechischen Grenzregion. Als besonders alarmierend beschreibt Cathrin Schauer die Situation in der Stadt Eger (Cheb), die nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt liegt.

Die gebürtige Sächsin Cathrin Schauer absolvierte an der Fachhochschule Potsdam den berufsbegleitenden Studiengang Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Das Projekt, für das sie jetzt ausgezeichnet wird, hat sie im Rahmen ihrer Diplomarbeit über Kinderprostitution im Rahmen des Sextourismus in deutsch-tschechischen Grenzregion vorbereitet. Das soziale Interesse hat sie schon seit langen. Vor ihrem Studium leitete die Krankenschwester ein Jugend- und Frauenzentrum in Plauen. Ehrenamtlich kümmerte sie sich lange um HIV-positive Menschen.

Die beiden Preisträgerinnen arbeiten für den eingetragenen Verein „Karo“, der 1994 als Projekt zur Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bei Prostituierten und Drogenabhängigen in der tschechisch-deutschen Grenzregion gegründet wurde. Ihre Arbeit besteht in erster Linie darin, die jugendlichen Prostituierten mit Verhütungsmitteln zu versorgen und sie über HIV aufzuklären. Für psychische Betreuung wurde eine Beratungsstelle geschaffen.

Prostitution ist kein Frauenthema, wiederholen Cathrin Schauer und Ludmilla Irmscher immer wieder. Die Zustände an der tschechischen Grenze haben sich zu einer gesamteuropäischen Problematik ausgeweitet. Im Zuge der EU Osterweiterung habe sich Prostitution und Menschenhandel in einem alarmierenden Ausmaß ausgeweitet. Vor allem der sexuelle Missbrauch von Kindern hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die meisten Autos, die die Grenze passieren und auf direktem Wege den Straßenstrich oder ein Bordell aufsuchen, kommen aus Deutschland. Oft werden Kinder auch für einige Tage mitgenommen und in den eigenen vier Wänden missbraucht. Nach Angaben von Karo e.V. verläuft die Strafverfolgung in solchen Fällen immer im Sande. Die betroffenen Kinder sind nie zu einer Aussage zu bewegen, da sie oft die ganze Familie ernähren müssen.

Für Ludmilla Irmscher und Cathrin Schauer kam die Auszeichnung sehr überraschend. Bisher haben sie für ihre Arbeit wenig Lob bekommen. Besonders auf der tschechischen Seite werden sie oft angegriffen. Es wird ihnen unterstellt, sie würden sich nur „einmischen“, um den eigenen Arbeitsplatz zu rechtfertigen. Johanna Hiller

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