Zeitung Heute : Einseitige Empörung

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Im Streit über den Bau eines US-Raketenabwehrsystems hat Russlands Generalstabschef Juri Balujewski mit einer Kündigung des INF-Vertrags gedroht. Der Vertrag ist eines der wichtigsten Abrüstungsabkommen aus der Zeit des Kalten Kriegs. Es verbietet die Stationierung und Produktion von Kurz- und Mittelstreckenraketen (Reichweite: 500 bis 5500 Kilometer) sowohl in den USA als auch in Russland. Die russische Seite würde dabei eine Ausstiegsklausel nutzen, die während der Verhandlungen in den 80er Jahren noch auf Betreiben der USA eingefügt worden war. Für den Berliner Rüstungsexperten Otfried Nassauer macht die russische Drohung allerdings keinen Sinn: „Das wird die Amerikaner kaum verschrecken. Es wird sie eher auf den Gedanken bringen: Das ist eine gute Idee.“ Die USA hätten selbst Interesse daran, wieder Kurz- und Mittelstreckenraketen zu produzieren. Diese Waffen seien zielgenauer als Interkontinentalraketen. Nassauer vermutet, dass die Drohung Russlands eher Staaten wie Polen und Tschechien verschrecken soll, wo künftig Teile des neuen US-Raketenabwehrsystems installiert werden sollen. „Sie könnten sich von russischen Mittelstreckenraketen bedroht fühlen“, sagt er. fal

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