Zeitung Heute : Eintritt online

Immer mehr Länderspiel-Tickets werden im Internet gekauft – zum Ärger des DFB

Markus Ehrenberg

Nicht nur die Fans der deutschen Nationalmannschaft erlebten am Mittwoch abend eine Überraschung, die DFB-Vertreter rieben sich wegen eines anderen Phänomens die Augen: Wie kamen die vielen schottischen Fans ins ausverkaufte Westfalenstadion? Woher hatten die alle ihre Tickets? 8000 Karten wurden vom DFB offiziell an den schottischen Verband vergeben. Mindestens 11 000 Schotten stimmten auf den Rängen ihre Gesänge an. Nicht nur Kommentator Reinhold Beckmann ahnte: Die hatten den begehrten Einlass im Internet ersteigert.

Der Karten-Poker übers Internet – das Schottland-Spiel ist kein Einzelfall. Wer beim Online-Auktionshaus eBay unter „Bundesliga-Tickets“ nachschaut, kommt schnell auf rund 300 Angebote. Ab 49 Euro gibt es Karten für die Partie Bayern München gegen Hertha BSC, am 4. Oktober während des Oktoberfestes. Je näher der Termin rückt, desto teurer dürften die Karten werden. Was bei so einem Spiel noch eine Sache von Angebot und Nachfrage ist, wird bei internationalen Sportereignissen wie dem Champions-League-Finale oder der Fußball-WM 2006 zum Problem – wenn den Vereinen und Verbänden Kartenkontingente zugewiesen werden. Zum einen müssen die Verantwortlichen wissen, wie groß die Lager sind, um Ausschreitungen vorzubeugen. Zum anderen wollen die Gastgeber den illegalen Ticketkauf in den Griff kriegen. Beim DFB haben sie zum Schottland-Spiel nachgezählt: 170 Tickets sind im Internet versteigert worden. 170 Fans, von denen sich viele beim DFB beschweren werden, weil sie mehr bezahlt haben als den aufgedruckten Kartenpreis.

Dafür kann der DFB nichts, aber dennoch will man dort gegen die Online-Abzocke vorgehen. Peter Radzewill, DFB-Sprecher im Bereich Kartenverkauf: „Grundsätzlich sind Auktionen erlaubt. Wir suchen nach juristischen Möglichkeiten, dieser Grauzone Einhalt zu gebieten. Sie wird ein größeres Problem als der klassische Schwarzhandel vor den Stadien.“ Der DFB und die Uefa haben einen Arbeitskreis gegründet, der bis Ende September eine einheitliche Vorgehensweise abstimmen soll. Für das Champions-League-Finale am 26. Mai 2004 in der Arena AufSchalke werden Pakete von zehn VIP-Karten für 29 000 Euro angeboten, im Internet. „Wenn man bedenkt, dass eine VIP-Karte für 250 Euro angeboten wird und sich vorstellt, dass die wirklichen Besitzer ab 500 Euro schwach werden, lässt sich erahnen, welche Summen diese Geschäftemacher absahnen“, sagt Radzewill. Beim Pokalfinale hatten Fahnder 70 Kartenbesitzer ausfindig gemacht, die ihre Tickets versteigert hatten. Die Karten wurden nicht ausgeliefert. Zwei der Betroffenen haben rechtliche Schritte eingeleitet. Bislang praktiziert der Verband Abwehrmaßnahmen. Wenn er den Namen des Versteigerers erfährt, meldet er diesen dem Finanzamt, damit dieses feststellen kann, ob der Versteiger seinen Gewinn versteuert.

Online-Versteigerungshäuser wie eBay sind machtlos. Wie gesagt: Auktionen sind erlaubt. Schon jetzt ist vielen ein Rätsel, wie Kartenverkauf und Fan-Andrang bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland zu koordinieren sind. Wer kontrolliert das Internet? Und die Branche wird immer dreister. Dem DFB flatterte das Angebot eines Online-Händlers ins Haus, auf seiner Seite für 250 Euro pro Monat Werbung zu schalten. Die Schotten werden solche Aktionen freuen. Sollten sie sich für die WM qualifizieren, wissen sie, wo es Karten gibt.

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