Zeitung Heute : Einwegflaschen immer beliebter

Plastikverpackungen für Getränke nehmen zu – aber der ökologische Nachteil wird kleiner.

Berlin - Mehr als die Hälfte der Getränke sind im Jahr 2011 in Plastikflaschen oder Dosen verpackt worden. Das geht aus der aktuellsten Studie für das Umweltbundesamt (UBA) über den Anteil der Mehrwegverpackungen bei den Getränken hervor. Die Daten sind noch nicht veröffentlicht, doch die Bundesregierung antwortete nach Informationen der „Bild“-Zeitung auf eine schriftliche Anfrage der grünen Bundestagsabgeordneten Dorothea Stein, dass 51,7 Prozent der Getränke in Einwegverpackungen verkauft wurden.

Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), sagte dem Tagesspiegel: „Natürlich ist es nicht gut, dass die Mehrwegquote weiter sinkt.“ Daraus aber den Schluss zu ziehen, das Pfand sei sinnlos, „ist falsch“. Weiter sagte er: „Das Pfand hat die Mehrwegquote immerhin stabilisiert und die Einwegflaschen besser gemacht, als sie vorher waren.“ Durch das Pfand sei die Rücklaufquote bei Pet-Einwegflaschen sehr hoch und ein sortenreines Recycling in neue Pet-Flaschen möglich geworden. „Der Unterschied zwischen Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen ist geringer geworden“, sagte Flasbarth. Das gelte allerdings nicht für die Getränkedose. Die sei auch besser geworden, aber im Vergleich zu einem Mehrwegsystem oder Pet-Einwegflaschen immer noch „im ökologischen Nachteil“.

Flasbarth ist deshalb zurückhaltend gegenüber Forderungen, das Pfand von 25 Cent auf bis zu 40 Cent zu erhöhen, wie das einige Umweltverbände und Politiker immer wieder fordern. Die größte Qualität von Mehrwegsystemen ist aus Jochen Flasbarths Sicht ihre Regionalität. Die kurzen Wege eines regional erzeugten Fruchtsafts oder Biers seien der größte Umweltvorteil dieses Verpackungssystems. „Wer Getränke aus der Region kauft, tut der Umwelt etwas Gutes“, sagt Flasbarth.

Dorothea Stein zieht aus den aktuellen Daten andere Schlüsse als Jochen Flasbarth. Die Grünen fordern schon seit Jahren eine eindeutige Kennzeichnung von Mehrweg- und Einweggetränkeverpackungen, und schon drei Umweltminister haben die auch versprochen, zuletzt Umweltminister Peter Altmaier (CDU). Allerdings sieht es nicht so aus, als würde eine entsprechende Verordnung noch vor der Bundestagswahl beschlossen werden. Stein wünscht sich zudem eine Einwegabgabe, um den Mehrwegsystemen einen Vorteil am Markt zu verschaffen. Die fordert auch die Deutsche Umwelthilfe seit Jahren. Doch auch dafür zeichnet sich aktuell keine Mehrheit ab.

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