Zeitung Heute : Eisblaue Stunde

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Es sollte eine musikalische Weltreise sein. Klänge aus Afrika und Asien, Lateinamerika und Europa, Musikstile wie Jazz, Blues, Folk und Hip Hop mischen sich mit Lichteffekten, Videos und den Darbietungen der Eistänzer zu einer bunten Melange für Augen und Ohren: Das ist die aktuelle Ausgabe von „Holiday on Ice“, zu sehen seit Mittwochabend im neuen Tempodrom. „In Concert“ heißt das Format, mit dem der Veranstalter nach eigenen Angaben etwas noch nicht Dagewesenes schaffen wollte. Herausgekommen ist ein farbenprächtiger Selbstbedienungsladen der World Music, abgestimmt auf den populären Massengeschmack. Denn „Holiday on Ice“ ist ein Markenartikel, der ähnlich wie Disney verlässliche Unterhaltung liefert. Nächstes Jahr wird das US-Produkt – mittlerweile ist der Hauptsitz in Holland – 60 Jahre alt, in der Saison 2002/2003 will man den 300millionsten Besucher begrüßen.

Die neue Produktion kann getrost in die meisten Länder exportiert werden, jede Kultur wird irgendetwas wieder erkennen. Geboten wird eine professionelle, allerdings zumindest in der ersten Hälfte mitunter recht leidenschaftslos daherkommende Show. Das liegt weniger an der sehr guten Live-Band, die souverän von einem Genre in das nächste gleitet, als an hölzern und unbeteiligt wirkenden Tänzern. Dennoch trösten glanzvolle Highlights immer wieder über so manche Schwä che hinweg. So strahlte das Eistanz-Ehepaar Natalia Efimova und Oleg Efimov aus St. Petersburg, das mehr für die klassischen Paarlauf-Eistanznummern zuständig war, genügend innere Harmonie aus, um den Glauben an die Ehe wieder herzustellen. Eine reine Augenweide ist auch der Solist Marcelo Pinheiro aus Rio de Janeiro, der unvergleichlich geschmeidig und elegant über das Eis glitt und dabei nicht wirkte, als sei das anstrengend.

Zur Premiere blieben zahlreiche Plätze unter dem charakteristisch gefalteten Zeltdach des Tempodroms frei, ein stoisches Publikum ließ sich nur widerwillig zum Mitklatschen animieren. Die Musikstücke – darunter „Birdland“ von Charlie Parker, Songs von Sting, Miriam Makeba, Ofra Haza und den Gipsy Kings – waren den meisten wohl zu unbekannt. Einigen half der Griff in die mitgebrachte Kühltasche über drögere Phasen hinweg. Erst als Ravels „Bolero“ erklang und mit der sich steigernden Musik immer mehr Eistänzer auf die Bühne kamen, begann der Funke überzuspringen.

Unter den Gästen: der Botschafter Kuwaits, Faisal R. Al-Ghais, der stellvertretende britische Botschafter Jeremy Cresswell, Senator a. D. Peter Luther, Vertreter der Berliner Eisbären und der Berlin Capitals und natürlich die Tempodrom-Chefin Irene Moessinger. fk

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