Zeitung Heute : Eisbrecher

Der Tagesspiegel

Da werde man nun für das ausgezeichnet, wofür man früher abgelehnt worden sei, stellte Gerhard Schoenberner fest – aber er sagte es, liebenswürdig wie er ist, nicht zornig-nachtragend, sondern „mit Genugtuung“. Der Publizist, dem Staassekretär André Schmitz gestern das Bundesverdienstkreuz erster Klasse überreichte, ist mit seiner Arbeit in der Tat gegen den Zeitgeist gesegelt. Sein Buch „Der gelbe Stern“ ist der Eisbrecher in der Auseinandersetzung über die Judenverfolgung gewesen – 1961, als es da noch ziemlich viel Eis zu brechen gab.

Die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, deren Gründungsdirektor er wurde, wäre, vielleicht, ohne sein Drängen nicht entstanden. Dabei lebt der Zeithistoriker Gerhard Schoenberner in Personalunion mit dem Cineasten gleichen Namens: Zehn Jahre war er geschäftsführender Vorsitzender der Freunde der deutschen Kinemathek. Der lebenslange Betreiber einer „kleinen Textfabrik“, wie Schoenberger sich bezeichnete – nicht ohne seinet Frau Mirjana hervorzuheben –, dankte für eine verdiente Ehrung. Fanden jedenfalls die Gäste. Mitstreiter wie der Holocaust-Historiker Wolfgang Scheffler und der Film-Historiker Ulrich Gregor, Parlamentsvizepräsident Christoph Stölzl und Ex-Regierender Klaus Schütz. Rdh

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