ELECTRO-POPZoot Woman : Dancefloor-Melancholie

Jörg W er

Ein bemerkenswert asymmetrisches Bandprofil kennzeichnet die britischen Synthie-Retropopper Zoot Woman. Da ist zum einen Stuart Price: Der inzwischen 32-Jährige hat sich schon vor Erscheinen des bahnbrechenden Zoot-Woman-Debütalbums „Living in a Magazine“ unter frankofonen Projektnamen wie Les Rhythmes Digitales oder Jacques Lu Cont eine Parallelkarriere als Produzent und Remixer aufgebaut. Spätestens seit seiner Arbeit an Madonnas fulminantem Disco-Comeback „Confessions on a Dancefloor“ kann sich Price vor Aufträgen internationaler Stars wie Gwen Stefani, Depeche Mode, Seal oder The Killers kaum retten.

Unter Blakes zeitraubender Geschäftstüchtigkeit leiden die anderen zwei Drittel von Zoot Woman: die Brüder Adam und Johnny Blake. Die fehlende Kontinuität äußerte sich in einer fast sechsjährigen Veröffentlichungslücke zwischen der zweiten Platte und dem aktuellen Album „Things are what they used to be“. Was Zoot Woman vermutlich den Durchbruch vermasselte, weil sie gerade zu dem Zeitpunkt, als das Achtziger-Revival mit neuen Bands wie Hot Chip oder Scissor Sisters durchstartete, nicht präsent waren. Dass sich Stuart Price zudem weitgehend aus dem Tourneegeschäft zurückgezogen hat, ist für Konzertbesucher erst mal etwas irritierend. Doch mit der charmanten Bassistin Jasmin O’Meara (Foto, rechts) haben die Blake-Brüder seit längerem eine gleichwertige Ersatzfrau auf der Bühne. Und wenn es darum geht, den groovenden Zeitgeist der Achtziger in elegisch-elegante Ohrwürmer mit melancholischem Dancefloor-Appeal zu gießen, macht Zoot Woman ohnehin so schnell niemand etwas vor. Ob mit oder ohne Stuart Price. Jörg Wunder

Maria am Ostbahnhof, Mi 30.9., 20 Uhr, 19 €

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