Zeitung Heute : Elegant, originell - aber wo bitte ist der Wetterbericht?

Liebe Redaktion des "Klasse!"-Projekts, nachdem wir einen Monat lang die "alte" Ausgabe des Tagesspiegels getestet haben, verglichen wir diese mit ein paar Exemplaren des "neuen", gelifteten Tagesspiegels. Dabei haben wir zahlreiche Veränderungen bemerkt und sind auf viele positive, aber auch negative Aspekte gestoßen.

Die offensichtlichste Veränderung, den Farbwechsel, finden wir sehr gut: Das Rot ist ein stärkerer visueller Anreiz als das Gelb, der Kontrast zum Schwarz ist größer geworden, und die Farbe verleiht der Zeitung ein klares Erscheinungsbild. Der Austausch des recht schmutzig wirkenden Gelbs durch ein klares Weinrot läßt den Tagesspiegel eleganter und seriöser erscheinen.

Die Anordung der Artikel, insbesondere auf der Titelseite, ist unserer Meinung nach erheblich besser geworden, weil sie übersichtlicher wurde. Und der Verzicht auf die Bildchen im Kopf eines jeden Buches ist eine sehr gute Entscheidung. Man nahm die Fotoleiste im Kopf der "alten" TagesspiegelAusgaben zwar wahr, aber die Bildinhalte waren doch nie so recht zu erkennen.

Sehr erfreut hat uns das Interview mit einem Politiker, das nicht zu einem Artikel umgeschrieben worden ist: Das Interview ermöglichte es uns, die Aussagen des Politikers sozusagen "ungefiltert" zu lesen. Darüber hinaus ist uns positiv aufgefallen, daß der Politikteil in Innen- und Außenpolitik unterteilt ist. Dies führt zu einer besseren Übersicht über die Artikel.

Genauer möchten wir noch auf die Beilage der Sonntagsausgabe vom 23./24. Mai 1999, der ersten "gefacelifteten" Ausgabe des Tagesspiegels, eingehen, und zwar besonders auf den "Weltspiegel", denn beim Lesen hatten wir oft gemischte Gefühle. Die Seiten "Fürs Leben lernen" und "Literatur und Musik" überzeugen uns wirklich: Die erste ist informativ und zugleich originell, die zweite ist einmal in der Woche auf jeden Fall gut, um einen Eindruck von Neuheiten auf dem Markt zu bekommen. Die "Wahren Geschichten" erinnern uns allerdings sehr an eine "Bravo-Foto-Love-Story" aus einem Teenie-Blättchen. Des weiteren zögerten wir "Am Ende". Nichts gegen eine unterhaltende Seite, aber seriös und elegant wirkt sie nicht. Im Gegenteil, hier wurde etwas zu tief in den Farbtopf gegriffen: Das wirre Bunt mit dem kennzeichnenden Rot mittendrin - eine Anordnung, die wir weder inhaltlich noch formal verstehen. Der Wechsel des Wetterberichts von der letzten auf die zweite Seite ist, wie wir meinen, nicht nachzuvollziehen. Wieso wurde der übersichtliche Platz auf der letzten Seite aufgegeben? Und wieso befindet sich der Wetterbericht jetzt auf der Politikseite?

Schließlich würden wir es sehr begrüßen, wenn das Format der Zeitung etwas handlicher wäre. Übrigens hat uns die Auseinandersetzung mit der veränderten Gestalt des Tagesspiegels veranlaßt, es Ihnen gleichzutun und einzelne Elemente Ihrer Zeitung "facezuliften" (ein Beispiel siehe nebenstehende Abbildung). Sie erkennen sicherlich sofort die Unterschiede! Auch mit der Weltkugel im Titel haben wir gespielt.

Von vielen Ihrer Neuerungen sind wir wirklich angetan: Das Äußere des Tagesspiegels spricht uns mehr als früher an - entscheidend ist jedoch, so meinen wir, daß eine Zeitung inhaltlich überzeugt. Deshalb hoffen wir, daß Sie sich auch in Zukunft ihrem Leitspruch "rerum cognoscere causas" verpflichtet fühlen.

Mit freundichen Grüßen

die Schüler der Klasse 11a der Lessing-Oberschule, Wedding

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