Zeitung Heute : Elektrisierend

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Die Deutschen zahlen viel zu viel für ihren Strom. Was muss passieren, dass es hier gerecht zu geht?

Mal ehrlich, wer schaut schon ganz genau auf die Stromrechnung, addiert Stunden, teilt durch Staubsaugen, Kochen, Musikhören und Fernsehen, zieht den defekten Kühlschrank ab und weiß dann ganz genau, wie viel Strom er für sein Geld erhält? Da hilft es auch wenig, wenn verschiedene Stromanbieter damit werben, sie seien die billigsten und nur mit ihnen sei die heimische Steckdose bestens versorgt. Alles falsch, stimmt nicht.

Jedenfalls sagt das die Verbraucherzentrale. Sie will herausgefunden haben, dass in deutschen Haushalten fünf Milliarden Euro zu viel für Strom ausgegeben werden. Grund für die überhöhten Strompreise seien die von den Netzbetreibern berechneten Entgelte für die Nutzung ihres Netzmonopols, erklärte der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Mit der Marktkonzentration auf vier große Energiekonzerne hätten sich die Netznutzungsentgelte für Haushaltskunden mehr als verdoppelt, während die Kosten für die Industrie kaum gestiegen seien. Ungerecht sei auch, dass die Konzerne in ihre Kalkulation Gewerbesteuer einrechnen, selbst wenn sie gar keine bezahlen.

Damit es in Zukunft gerechter zugeht, soll eine Regulierungsbehörde her, die die Preise für die Nutzung der jeweiligen Betreibernetze festlegt. Das fordert nicht nur die Verbraucherzentrale, sondern auch das EU-Recht: Ab 1. Juli ist die Einrichtung einer solchen Behörde für den Strommarkt Vorschrift – in Deutschland könnten Telekom und Post diese Aufgaben übernehmen. Noch ist allerdings das deutsche Energiewirtschaftsgesetz nicht entsprechend geändert. nan

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