Zeitung Heute : Elektroautos kommen in Japan gut voran

Japan ist ein Kernmarkt für alternative Mobilität: Japanische Hersteller wie Toyota, Honda oder Nissan verfügen über ein großes technisches Know-How in den Bereichen Elektro- und Hybridantrieb. Sie sind weltweit führend und liegen mittlerweile technologisch nahezu uneinholbar vorn.

Etwa ein Viertel aller Elektrofahrzeuge auf der Welt fährt auf japanischen Straßen, knapp 50 000 sind es bisher. Das klingt gut, die Stromer machen aber trotzdem nur etwa ein Prozent aller im Jahr 2012 in Japan verkauften Autos aus.

Dabei bevorzugen die Japaner reine Elektrofahrzeuge. „Sie sind ‚Stadtexperten'“, sagt Andreas Knie, Forscher am Berliner Innovationszentrum für Mobilität. Die geringe Reichweite eines Elektroantriebs genügt für die Distanzen in japanischen Ballungsräumen, gleichzeitig sind die Elektroautos sauber und leise – ideal für die Bedürfnisse des Landes, in dem sich fast 130 Millionen Menschen auf wenig Raum drängen.

Aber so lange das Problem der eingeschränkten Reichweite bei E-Autos nicht gelöst ist, können sie nur in urbanen Regionen gefahren werden, die bereits über ein Netz an Ladestationen verfügen. Dazu bauen die Japaner gerade elf Modellstädte auf, in denen sie die notwendige Infrastruktur testen.

Wenn es um den Absatz von Hybridfahrzeugen geht, liegen die Japaner aber weit hinter den USA, die hier unangefochten am fleißigsten kaufen. Dabei ist der Toyota Prius, ein Hybrid, bereits seit anderthalb Jahrzehnten auf dem Markt. Schon im ersten Jahr wurden immerhin 18 000 Exemplare verkauft. „Für uns ist der Hybridmotor ein bezahlbarer Brückenschlag zwischen fossil betriebenen und regenerativen Antriebsformen“, sagt Dirk Breuer, Pressesprecher bei Toyota.

Tatsächlich sind die Kosten für die Komponenten ein großes Problem. Batterien sind sehr teuer, beim Nissan „Leaf“ kostet allein die Batterie 12 000 Euro, ein Drittel seines Gesamtpreises. Und Hybridfahrzeuge können sogar noch teurer werden, wenn sie in geringeren Stückzahlen als bei Toyota produziert werden. Um zusätzlich Kaufanreize zu schaffen, bietet die japanische Regierung fünfstellige Kaufprämien und Steuerbefreiungen an. Doch obwohl die Japaner technologisch mit riesigen Schritten voran gehen, sind die Bürger noch recht zurückhaltend.

Das liegt auch daran, dass es schwer ist, sie für die neue Technologie zu begeistern. Japaner sind zwar an Technik interessiert, doch Autos betrachten sie nicht als Herzensangelegenheit – sondern vornehmlich als Gebrauchsgegenstände.

Inga Höltmann

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