Zeitung Heute : Elektromobilität im Fokus der Forschung

Jörg Steinbach
Foto: TUB/Ruta
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Elektromobilität ist in aller Munde – auf Kongressen, Messen oder Parteitagen. Mit ihr sollen wir in ein neues Zeitalter der Mobilität starten. Und wie sieht es auf den Straßen aus? Berlin ist Vorreiterin und steht mit den meisten Fahrzeugen, Projekten und dem größten Netz für die öffentliche Ladeinfrastruktur an der Spitze der deutschen Städte. Ziel ist es, Leitmetropole der Elektromobilität in Europa zu werden. Bis dahin müssen wir aber noch einige Kilometer zurücklegen und nicht alle Visionen werden Realität.

Welchen Beitrag kann die Wissenschaft im Spannungsfeld von sich verändernden Mobilitätsbedürfnissen, Klimawandel, politischen Zielen und wirtschaftlicher Machbarkeit leisten? Allein 21 Fachgebiete der TU Berlin bringen ihre Expertise ein. Unsere Forscherinnen und Forscher betrachten die gesamte Wertschöpfungskette der Elektromobilität. Mit dieser wissenschaftlichen Breite gehören wir zu den führenden Universitäten im Land. Unsere Forschungen reichen von der Speichertechnologie über den Elektroantrieb und die Fahrzeugsicherheit bis zur Gestaltung der Stadt und des Verkehrs von morgen.

Dabei stellen wir uns nicht nur die Frage, wie möglichst viele Elektroautos auf die Straße kommen. Unsere Aufgabe ist es, unterschiedliche Konzepte weiter zu denken, sie zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten. Wir stellen den Fokus scharf und prüfen Alternativen – nicht nur für den Antrieb. Auch in der Politikberatung sind wir tätig, auf Bundes- wie auf Landesebene. Wir erfragen die Mobilitätsbedürfnisse, wir wollen den Wirtschaftsverkehr integrieren, den Lieferverkehr elektromobilisieren, den öffentlichen Nahverkehr umrüsten, das Parkraumproblem lösen und neue IT-Technologien integrieren.

Unsere Partner dafür sitzen auch im Ausland. Unter Federführung der Allianz der neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland (TU9), zu der auch die TU Berlin gehört, wurde mit wichtigen chinesischen Universitäten ein neues Forschungsnetzwerk konzipiert. Die Zusammenarbeit der Natur- und Ingenieurwissenschaften und die systematische Erforschung der Elektromobilität sollen so vorangebracht werden.

Das eröffnet uns nicht nur neue Blickwinkel und neue Versuchsfelder, sondern gibt unseren Studierenden die Möglichkeit, neben den Grenzen ihres Faches auch kulturelle Grenzen zu überschreiten. Beinhaltet doch das millionenschwere Programm einen intensiven Personenaustausch zwischen beiden Ländern. Denn neben all den Innovationen steht oder fällt das Projekt Elektromobilität mit den Menschen, die es entwickeln. Gerade deshalb ist die TU Berlin eine der wichtigsten Partnerinnen.

Der Autor ist Präsident der TU Berlin.

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