ELEKTROPUNKBonaparte : Party statt Krieg

Bonaparte gehört zu der Sorte Bands, die man nicht unbedingt wegen ihrer Musik hört. Ihr rustikaler Elektropunk – ein wenig wie Deichkind mit Gitarren – macht im stillen Kämmerlein nur Krach, aber wenig Sinn. Die 20 Mann starke Gruppe rund um den Schweizer ADHS-Künstler Tobias Jundt muss man live sehen, wo es dann heißt: „The end of entertainment is the beginning of war!“ Die wahlweise als Performancekollektiv, analoge Bohème oder Trash-Zirkus bezeichnete Band gründete sich 2006 in Barcelona. Von Anfang an waren die oft halb nackten Musiker auf der Bühne mal als Ninja, Tier oder Fernseher verkleidet; gegen den überbordenden Mummenschanz von Bonaparte wirken die Siebziger-Jahre-Liveauftritte von Genesis oder David Bowie wie Pantomime.

Nach den hastig eingespielten Lo-Fi-Alben „Too much“ (mit dem Indie-Hit „Anti Anti“) und „My Horse likes you“ hat das dritte Bonaparte-Album „Sorry, we’re open“ zum ersten Mal ein Studio von innen gesehen. Die Band bezeichnet die Platte als „Rave-punkenden Cyberblues“, was wohl dem gewachsenen Electro-Anteil geschuldet ist. In den Texten herrscht wie gewohnt der permanente Aufstand – aber bitte spaßig. Ein Bonaparte-Konzert heißt: zwei Stunden lang gegen alles sein, was sich außerhalb der Konzerthalle befindet. Einfach „ansehen“ kann man das nicht. Jede Show lebt von der Interaktion mit dem Publikum. Der Pulk vor der Bühne ist der Motor von Bonaparte, der gemeinsame Schweiß der Treibstoff. Feingeister, die mehr als den Refrain verstehen wollen, haben hier nichts zu suchen. Aber wer wissen will, wie sich Karneval, Stripclub und Zoo gleichzeitig anfühlen, sollte sich Bonaparte nicht entgehen lassen.Erik Wenk

Astra Kulturhaus, Do 20.12., 20 Uhr, 27-28 €

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