Zeitung Heute : Elke Heidenreich: Abschied vom Leben

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Elke Heidenreichs Geschichten handeln von Leuten, die um die fünfzig sind und spüren, dass ihnen die Zeit davonläuft. Es geht nicht um den Abschied von der Jugend, es geht um den Abschied vom Leben - letzte große Leidenschaften, Bilanzen, die erste Ahnung des Todes. Noch ein Mal werden Weichen gestellt: ein Paar trennt sich am Tag der Silberhochzeit, eine verheiratete Frau besucht aufs Geradewohl ihre erste große Liebe, die sie in ziemlich heruntergekommenem Zustand vorfindet, beide verbringen noch einmal einige gemeinsame Tage im Bett. Eine andere, die über ihre lesbische Liebesbeziehung mit ihrer alten Mutter nie reden konnte, fährt mit der Mutter in Urlaub, es kommt zwischen den Frauen zu einer vorsichtigen Versöhnung. "Ich setzte mich wieder an den Küchentisch, machte mir eine Flasche Wein auf und überlegte, was ich eigentlich vom Leben wollte" - so lautet wahrscheinlich der Schlüsselsatz des Buches. Heidenreich, Jahrgang 1943, erzählt sehr schön, zugleich melancholisch und heiter. Was fehlt? Das, was vielen aus der Generation der Autorin fehlt - Pathos vielleicht? Entschiedenheit? Starke Gefühle? Es geht nie ums Ganze. Es geht immer darum, etwas zu retten - von Lebensentwürfen, die einst, vor vielen Jahren, so groß waren, dass in ihrem Schatten nichts Großes mehr wachsen kann.

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