Zeitung Heute : Eltern fehlt die Auswahl bei der Kinderbetreuung

Berlin - Ein Drittel der in einer Großstudie befragten Eltern, die ihre Kleinkinder zu Hause betreuen, haben angegeben, keinen Platz in einer Betreuungseinrichtung gefunden zu haben. Für die an der „Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit“ (Nubbek) beteiligten Forscher ist das ein Indiz dafür, dass derzeit Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung in Deutschland nicht gegeben ist. Der Leiter der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie, der FU-Wissenschaftler Wolfgang Tietze, sprach von „erzwungener Abstinenz“. „Unter den jetzigen Bedingungen von Knappheit können die Familien ihr Wunsch- und Wahlrecht nicht ausüben“, sagte Tietze.

Darüber hinaus stellen die Forscher fest, dass sich auch eine „erhebliche Anzahl von Müttern“, die ihre Kleinkinder zu Hause betreuen, für eine außerfamiliäre Betreuung entscheiden würde, wenn die Kosten dafür nicht so hoch und die Bedingungen dafür besser wären. Nur in jeder zehnten Einrichtung gebe es gute „Prozessqualität“, also einfühlsame Betreuung und vielfältige Bildungsangebote im Alltag. Für die Studie hatten die Wissenschaftler die Bildungsbiografie von insgesamt 2000 Zwei- und Vierjährigen untersucht.

Unterdessen hält die Kritik an der geplanten Einführung des Betreuungsgelds unvermindert an. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte den „Ruhr-Nachrichten“, Geld dürfe „nicht an Einzelne ausgezahlt werden“, sondern müsse in den Ausbau von Krippen und Kindertagesstätten fließen. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers, warf der Bundesregierung vor, mit ihren Plänen zum Betreuungsgeld arme Kinder bewusst ins Abseits zu schieben. aml/dpa

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