Zeitung Heute : Emmanuelle, verbessert

Nadine Lange

Der Sex und der Ekel in "Borderline" kommen seltsam vertraut daher. Schnell denkt man an den aggressiven Umgang der Geschlechter bei Virginie Despentes, auch an Catherine Millet. Der Debütroman der 33-jährigen Frankokanadierin Marie-Sissi Labrèche spielt in Montreal und erzählt von Sissi, einer hübschen, jungen Frau, die von sich sagt: "Ich bin ein Remake von Emmanuelle, in verbesserter Fassung, nicht mehr so soft und ohne Werbepausen." Das sieht zum Beispiel so aus, dass Sissi sich während einer Party unter aller Augen selbst befriedigt. Die Frau hat ein Problem: eine Persönlichkeitsstörung namens "Borderline". Die Betroffenen leben in ständiger Panik, verlassen zu werden, sind aber zugleich unfähig, echte Beziehungen zu erhalten. Sex als Symptom - damit ist Labrèche plötzlich weit entfernt von ihren französichen Kolleginnen. Sissi beginnt eine regelrechte Anamnese, die zurückführt zu ihrer Mutter und zum Grundübel: der Großmutter. Erzählt wird in fiebrigen Momentaufnahmen und Rückblenden. "Auto-Fiktion" nennt Labrèche das. "Auto-Therapie" war es sicher auch.

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