Zeitung Heute : Ende der Eiszeit noch nicht in Sicht

Zehntausend Berliner von Heizkraftwerksausfall in Spandau betroffen / Europaweit mehr als 300 Tote.

Jörn Hasselmann[Andreas Oswald] Heike Jahberg[Andreas Oswald]

Berlin - Nach der bislang kältesten Nacht des Jahres mit durchschnittlich minus 20 Grad Celsius gab es für viele Berliner ein böses Erwachen. Der Ausfall eines Kessels im Heizkraftwerk Reuter in Spandau führte dazu, dass am Montagmorgen in Westend zehntausend Haushalte nicht richtig geheizt werden konnten. Grund für den Kesselausfall war laut Vattenfall ein Problem mit der Frischluftzufuhr, das noch am Vormittag wieder behoben wurde. „Wegen des abgeschalteten Kessels wurde weniger Wärme eingespeist als normal, das heißt, dass beim Kunden auch weniger Wärme ankam“, sagte Hannes Stefan Hönemann, Sprecher von Vattenfall in Berlin, dem Tagesspiegel. Noch am Vormittag wurde der Kessel wieder repariert und neu gestartet. Bis zum Nachmittag blieben viele Haushalte aber noch kalt. Betroffen waren auch das Berggruen-Gymnasium und das DRK-Klinikum Westend.

An den kommenden Tagen muss in Deutschland weiterhin mit sibirischen Temperaturen gerechnet werden. Es werde auch tagsüber eisig bleiben, sagte der Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Nachts herrscht weiter strenger Frost, stellenweise wieder minus 20 Grad. Vor allem die Nacht zum Sonnabend könnte sehr kalt werden, sagte der FU-Meteorologe Friedemann Schenk.

In der Nacht zum Montag wurden die tiefsten Temperaturen mit minus 29,1 Grad in der Stadt Usedom und mit minus 28,7 Grad in Ueckermünde am Stettiner Haff gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst in Potsdam und der Wetterdienst Meteomedia auf Hiddensee mitteilten. Damit wurden laut Meteomedia die bisherigen Kälterekorde aus dem Eiswinter 1956 leicht übertroffen. „Nur in den Kriegswintern in den 1940er Jahren dürfte es noch kälter gewesen sein“, sagte Steffen Kreibohm von Meteomedia. Doch darüber gebe es keine Aufzeichnungen.

Am südöstlichen Stadtrand von Berlin wurden minus 23,6 Grad gemessen. In Zossen (Kreis Teltow-Fläming) wurde am Montag ein Mann in einem leer stehenden Haus erfroren aufgefunden. In Zehlendorf wurde am Morgen eine Seniorin tot im Vorgarten ihres Pflegeheimes entdeckt. Auch in Polen sanken die Temperaturen auf neue Tiefstwerte, hier kamen neun Menschen ums Leben. Seit Beginn der Kältewelle vor elf Tagen starben in Europa mehr als 300 Menschen.

Der Kälteeinbruch treibt auch die Heizkosten in die Höhe. Zudem sind die Preise nach Berechnungen des Internetportals Verivox im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent gestiegen. Wegen des bislang überwiegend milden Winters müssen Verbraucher Verivox zufolge aber nicht mit bösen Überraschungen bei der Heizkostenabrechnung rechnen.

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