Zeitung Heute : Endlich wieder auf die Baustelle

Fünf Wochen Montage in Mailand, dann wieder ins Berliner Büro: Messebauer müssen flexibel sein

Anne Hansen

Erst muss er zu einem Kundengespräch, dann organisiert er den Abbau von Ständen auf der Internationalen Funkausstellung, dann geht es wieder auf die Baustelle. Marcus Trettau, Ingenieur für Theater-und Veranstaltungstechnik vom Ideea Messebauunternehmen aus Berlin betreut gerade sechs verschiedene Projekte gleichzeitig. Manchmal muss er für eine Zeit ins Ausland – arbeiten rund um die Uhr – danach hat er ein paar Wochen Zeit, sich zu erholen, bevor die nächste heiße Phase beginnt.

Der normale Arbeitsalltag? Nun, den gebe es nicht, sagt Trettau. Aber genau das schätze er auch an seinem Beruf. Wenn er zum Beispiel eine Woche am Stück im Büro verbringe, sehne er sich geradezu danach, wieder auf die Baustelle zu kommen, sagt er. Für acht, zehn, manchmal auch 12 Stunden. „Unsere Sicherheit ist es, dass an jedem Tag etwas anderes kommt. Und gerade das gefällt mir am Messebau“, sagt der Veranstaltungstechniker.

Die Chancen für Auszubildende in der Branche stehen nicht schlecht. Seit Jahren verzeichnet der Fachverband für Messe- und Ausstellungsbau konstante Zahlen in den Ausbildungsverhältnissen. Auch der Ideea Messe-und Dekorationsbau stellt im kommenden Jahr wieder vier neue Auszubildende ein, Übernahme garantiert. Derzeit gibt es in Deutschland 1200 Betriebe, die im Messebau tätig sind.

Die klassische Ausbildung zum Messebauer gibt es nicht. Gesucht werden Tischler, Schreiner, Schlosser, Maler und Fachkräfte für Veranstaltungstechnik. Sie sorgen dafür, dass der Stand im rechten Licht erstrahlt, die Redner zu hören sind und die Computerdisplays keine Fehlermeldung zeigen. Der frühere „Schauwerbegestalter“ ist durch den Ausbildungsberuf „Gestalter für visuelles Marketing ersetzt“ worden. Der kümmert sich um repräsentative Messestände oder Schaufenster. Welche Ausbildung man auch wählt, alle Messejobs haben eines gemeinsam: Sie verlangen hohe Flexibilität. Die Messen häufen sich im Frühjahr und Herbst, im Sommer und Winter dagegen sei „tote Hose“, so Uta Goretzky, Sprecherin des Fachverbandes für Messe- und Ausstellungsbau.

Das bedeutet auf der einen Seite Nachtschichten im Frühjahr und Herbst und ausspannen in den übrigen Monaten. Zudem sollte man in der Messebaubranche „flexibel im Kopf“ sein, wie Goretzky es nennt. Damit meint sie die hohe Belastbarkeit, die in der Branche gefordert ist. Selten arbeite man im Messebau an nur einem Projekt, meistens liegen sieben verschiedene Aufgaben parallel auf dem Schreibtisch. „Auch wenn ihr Arbeitgeber in Berlin sitzt, müssen Sie damit rechnen, das er Sie für fünf Wochen auf Montage nach Mailand schickt“, sagt Goretzky. Wer sich nicht ständig auf neue Aufgaben einstellen könne „wird in diesem Beruf wohl überfordert sein.“ Jonas Bothe ist es nicht. Der 18-Jährige macht beim Ideea Messebauunternehmen eine Lehre zum Tischler. Gleich baut er an einem Tisch für die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main weiter, dann muss er noch Türen in die Lackiererei bringen. Und morgen? „Keine Ahnung“, sagt er. „Das weiß ich immer erst, wenn ich morgens zur Arbeit komme.“ Morgen sei eben morgen, sagt er und lacht.

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