Zeitung Heute : Endlich!

Dieter Lenzen

Heute ist es soweit: Die Freie Universität Berlin feiert einen ganzen Tag lang die Wiedereröffnung des Henry-Ford-Baus nach dessen Grundsanierung. Wer in den letzten Monaten an der Baustelle vorbeiging, sah es schon: Das erste große Gebäude, das für die Freie Universität zwischen 1952 und 1954 errichtet wurde, gewann Monat für Monat an Gestalt – an seiner ursprünglichen Gestalt. Zuerst wurde der wilde Baumbewuchs entfernt, damit die markante Fassade des Baus von Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller überhaupt wieder sichtbar wurde. Beseitigt und verlegt wurden auch Fahrradständer, Schranken und Schilder, die in den zurückliegenden Jahrzehnten ohne Gefühl für Ästhetik um das Gebäude herum platziert worden waren. Die Fassade wurde nach vielen Wasserschäden saniert, ebenso das Dach, die Heizung umweltgerecht modernisiert, die verkommene Bestuhlung der Hörsäle ausgetauscht, die Technik den heutigen Vorschriften und Bedürfnissen angepasst und: Die Innenarchitektur des Henry-Ford-Baus wurde in seiner ursprünglichen Struktur wiederhergestellt. Denn auch hier war in den letzten Jahrzehnten gesündigt worden: Fenster verschlossen, Glaswände zugeklebt, Sichtbeziehungen verstellt. Kurzum: ästhetische Gedankenlosigkeit allenthalben. Pragmatischer Funktionsegoismus ging eben vor.

Urteilen wir nicht, sondern besuchen wir den Henry-Ford-Bau am Tag seiner Eröffnung oder danach, und genießen wir die Wiederherstellung einer Idee: Diese Idee hieß Rückkehr zur Moderne, zu Licht, zu Transparenz. Der Mensch in der Mitte einer zurückhaltenden, aber klaren Architektur, wie sie durch das Bauhaus konzipiert wurde.

Neu ist die Einrichtung einer Dauerausstellung „Zukunft von Anfang an“ zur Geschichte der Freien Universität im Galeriesaal des ersten Stocks, der wieder zugänglich gemacht wurde und dem der Name „Otto-H.-Hess-Saal“ gegeben wird. Otto H. Hess war ein entscheidender Impulsgeber für die Gründung der Freien Universität Berlin. Sein Name steht für ein zentrales Stück Universitätsgeschichte in Deutschland: von den Nazis verfolgt – ein mutiger Opponent gegen die kommunistische Politisierung der Universität Unter den Linden – Relegation von der Universität – Studentenvertreter und Gesprächspartner Ernst Reuters und Edwin Redslobs in der Gründungsphase der Freien Universität in Dahlem. Und es gibt eine weitere Ehrung: Das Auditorium maximum wird nach Max Kade benannt. Seiner Stiftung verdankt die Freie Universität aufgrund einer außerordentlich großzügigen Spende die Möglichkeit, das Auditorium maximum wiederhergestellt zu haben nach über 50 Jahren der Nutzung in manchmal bewegten Zeiten. Die Mittel der Max-Kade-Stiftung und zahlreiche Einzelspenden konnten durch unsere Alumni-Organisation in den USA, „Friends of Freie Universität Berlin“, zusammengetragen werden, so dass möglich wurde, was nun Wirklichkeit ist. Die Freie Universität Berlin hat ihren historischen Zentralbau wieder in Besitz genommen. Eine Stunde des Dankes. Er gilt denjenigen, die die finanziellen Grundlagen geschaffen haben. Er gilt denen, die mit hoher Sensibilität für ein architektonisches Meisterwerk den Rekonstruktionsprozess geplant und begleitet haben. Er gilt denjenigen, die die Pläne umgesetzt haben mit ihren Händen.

Ein epochales Ereignis für die Freie Universität, die wie keine zweite in ihrer Architektur Spiegel von deren Geschichte ist – eine Geschichte des Kampfes gegen kommunistische Unfreiheit, eine Geschichte des Luziden, eine Geschichte ästhetischer Kühnheit, die im September 2005 mit der Eröffnung des Bibliotheksgebäudes von Lord Norman Foster, „The Berlin Brain“, einen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat.

Kommt und schaut!

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin.

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