Zeitung Heute : Endstation Messe

Viele Osteuropäer kommen per Bus nach Berlin

Daniel Rhee-Piening

„Berlin ist eine Reise wert“ lautete ein Werbeslogan in den 70er Jahren. Neben Auto, Flugzeug und Bahn ist der Bus eines der Reisemittel. Zielpunkt ist dann in der Regel der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Messegelände.

Rund 60 000 Busse wurden dort im vergangenen Jahr gezählt. „Wir rechnen mit etwa 35 Passagieren pro Bus und kommen dann auf rund 2,7 Millionen Reisende“, sagt Hans-Otto Rühl, Geschäftsführer der IOB, einer Tochtergesellschaft der BVG, die den Busbahnhof betreibt. Und Rühl ist zuversichtlich. „Das Geschäft nimmt zu“, sagt er.

2004 gab es einen kleinen Einbruch, doch dann ging es wieder bergauf. Insbesondere aus Osteuropa nimmt die Zahl der Reisenden zu. „Die Verbindungen sind teils noch ein Überbleibsel aus der Insellage West-Berlins“, sagt Rühl. „Jetzt kommen viele Menschen aus Mittel- und Osteuropa mit dem Bus, weil gute Bahnverbindungen fehlen.“ Um noch mehr Besucher anzulocken, ist der ZOB in einem Verband mit 15 anderen Busbahnhöfen in Europa. Darin finden sich etwa Moskau, Tallin, Riga, Minsk, Malmö und auch Hamburg.

Die Hansestadt ist die meist angefahrene Stadt. Dahin gibt es bis zu zehn Verbindungen täglich, sagt Claus Metzel, Geschäftsstellenleiter der Linien Bus Berlin GmbH. Unter diesem Dach haben sich vier Privatanbieter zusammengeschlossen. Bayern Express mit rund 70 Bussen, Bus-Verkehr-Berlin mit gut 100 Fahrzeugen, Haru Reisen mit 35 und Autokraft aus Schleswig-Holstein mit 435 Bussen. „Wir steuern mehr als 350 Ziele in Europa an“, sagt Metzel.

Diese liegen sowohl in West- als auch in Osteuropa. „Alle größeren Städte werden einmal täglich angefahren“, sagt Metzel. Nach München, beispielsweise, fahren dann bis zu zehn Busse gleichzeitig. Rund 675 000 Menschen reisten 2005 mit Linien Bus Berlin. Für die Zukunft ist Metzel nicht bange. „Wir sind, bezogen auf die Personenkilometer, die sicherste Verbindung - und die preiswerteste. Wenn es einer Stadt wirtschaftlich nicht so gut geht, bekommen wir das positiv zu spüren. Mehr Menschen reisen dann mit dem Bus.“

ZOB-Chef Rühl hat noch andere Kunden ausgemacht: Senioren. „Ältere Menschen fühlen sich im Bus sicherer als in der Bahn“, sagt er. Und Rühl investiert. Immerhin wird der ZOB in diesem Mai 40 Jahre alt. Da muss etwas geschehen. Zwar schreibt man seit vier Jahren schwarze Zahlen, doch das Geld ist knapp. Immerhin wurde eine 1,3 Millionen Euro teure elektronische Zielanzeige gebaut. Auch die gesamte Elektrik des ZOB zu modernisieren war teuer, sagt Rühl. An Einnahmen erhält er nur die Gebühren für die Busse und die Mieten von den Dienstleistern am ZOB. Dort finden sich etwa ein Reisebüro, Restaurants und ein Hotel.

Immerhin wird wieder investiert. Zeitweise war die Zukunft des ZOB offen. Die Bahn wünschte sich die Verlegung an den neuen Hauptbahnhof. „Das scheint vom Tisch“, sagt Rühl. Auch das Land, dem das Gelände gehört, zog offenbar nicht mit. Rühl ist erleichtert: „Die Anbindung des ZOB ist optimal. Er liegt direkt an den Fernstraßen. Stellen sie sich mal vor, 60 000 Busse müssten jährlich aus der Innenstadt zur Autobahn.“

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