Zeitung Heute : Energie sparen und effektiv nutzen Experten verschiedener Fachgebiete kooperieren

Frank Behrendt

Zunehmender Strombedarf, mehr Energie aus Sonne oder Windkraft, drastisch steigende Preise für Öl und Erdgas: Diese Trends werden die Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten kennzeichnen. Auf der anderen Seite drängen sich Umweltprobleme auf: Klimaerwärmung, Stürme, Dürren oder die Verseuchung ausgedehnter Küstenareale durch Tankerunglücke. Hinzu kommt, dass das knapper werdende Erdöl auch als Rohstoff in der chemischen Industrie gebraucht wird: für Kunststoffe, künstliche Dünger oder Medikamente.

Deshalb wird es immer wichtiger, Energie einzusparen, um die schrumpfenden Ölreserven möglichst effektiv zu nutzen. Gerade in der Energieerzeugung und in der Umwandlung der Energie in ihre verschiedenen Formen – Wärme, Strom, Licht oder Kraft – ist die Ausbeute oft noch zu gering. Diese Situation zu verbessern ist nur möglich, wenn sich alle beteiligten wissenschaftlichen Fachgebiete zu interdisziplinären Forschungsgruppen finden. Es geht darum, die Lebensbedingungen der Menschheit zu sichern und umweltgerecht weiter zu entwickeln.

Die TU Berlin hat vier energietechnische Schwerpunkte identifiziert, auf die sie ihre Forschung bündeln wird. Dazu gehört die so genannte „Koevolution von Kraftstoff und Antrieb“. Darunter versteht man, spezielle Kraftstoffe für bestimmte Motorkonzepte (zum Beispiel HCCI) gezielt zu verfeinern oder maßzuschneidern, beispielsweise durch Beimischungen oder synthetische Kraftstoffe aus Erdgas, Kohle oder Biomasse. Auch die Abgasnachbehandlung fällt unter diesen Schwerpunkt. Die TU-Wissenschaftler erforschen auch Hybride, das sind Autos, die Verbrennungs- und Elektromotoren zugleich unter der Haube führen.

Ein zweiter Schwerpunkt sind Gasturbinenkraftwerke, die kein Kohlendioxid mehr in die Umwelt abgeben. Fortschrittliche thermodynamische Kreisprozesse erlauben es, die Betriebsdrücke und Temperaturen in den Turbinen zu steigern. Neben der Entwicklung der dafür notwendigen Verbrennungstechnik werden hohe Anforderungen an die Materialien und die Kühlungstechnologie gestellt. Den dritten Schwerpunkt definiert die Idee, dass es besonders günstig ist, die Kette der Energieversorgung beim Verbraucher zu optimieren. Im Kern geht es darum, Gebäude besser zu klimatisieren, unter anderem mit Hilfe von solarer Kühltechnik und intelligenter Fassaden.

Zudem bündelt die TU Berlin ihre Kompetenz in der elektrischen Energietechnik. Die erneuerbaren Energien wie Sonnenstrom oder Windkraft werden die bisherigen Energienetze durch eine Vielzahl kleiner und dezentraler Einspeisestellen ergänzen. Daraus ergeben sich große Herausforderungen für die Steuerung und die Stabilität der Energienetze. Die Forschung der TU-Wissenschaftler wird durch einen Beirat aus der Industrie strategisch beraten.

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