Zeitung Heute : Energieerzeugung, die Kohle spart

Regenerative Energie senkt CO2Ausstoß und Kosten bei den Berliner Wasserbetrieben

Lichter Sonnenschein und dunkler Klärschlamm – größer können Gegensätze kaum sein. Die Wasserbetriebe nutzen beides, um Strom und Wärme zu gewinnen – was die Umwelt schützt und das eigene Budget schont.

Wer mit Wasser und Abwasser hantiert, braucht viel Energie. Für Tiefbrunnen, Wasserwerke, Pumpen, Gebläse und Filter – allein die sechs Berliner Klärwerke benötigen im Jahr so viel Strom wie die Stadt Bernau (35.000 Einwohner). Dieser Stromhunger fällt nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch ins Gewicht. Deshalb ist Energiesparen bei den Berliner Wasserbetrieben aus doppeltem Grund angesagt. „Und den Vergleich zu anderen Versorgern brauchen wir dabei nicht zu scheuen“, sagt Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe. „Schon heute produzieren wir 27 Prozent unseres benötigten Stroms selbst.“ Für Klärwerke liegt die Eigenerzeugung von Strom bei 48 Prozent, bei Wärme sind es sogar vier Fünftel.

Erneuerbare Energie

– Tendenz steigend

Für die Berliner Wasserbetriebe sind Klimaschutz und Treibhausgase mehr als graue Theorie. Sie haben die größte zusammenhängende Solaranlage der Stadt im Wasserwerk Tegel. Hier wird auf 5.600 Quadratmeter Modulfläche Energie erzeugt, die ausreicht, um 28.000 Menschen mit Wasser zu versorgen. Die jährliche CO2-Ersparnis beträgt 475 Tonnen.

„Insgesamt werden es die Wasserbetriebe in diesem Jahr mit Energieeffizienz, umweltfreundlicher Stromproduktion und erneuerbaren Energien schaffen, die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2005 um ein Viertel auf rund 150.000 Tonnen zu senken“, so Jörg Simon. „Das ist mehr, als im Klimaschutzabkommen mit dem Senat von Berlin vereinbart.“ Am Ende sollen alle Berliner profitieren, wenn die Stadt so ihrem Klimaschutzziel ein gutes Stück näher kommt.

Energie aus Biogas

Die Wasserbetriebe produzieren einen ganz besonderen, vor allem aber kontinuierlich nachwachsenden Rohstoff: Klärschlamm. Eigentlich ist das ein Abfallprodukt, das im Klärwerk zurück bleiben würde, wenn das gereinigte Wasser wieder in die Gewässer fließt. Bis in die 1980er-Jahre wurde der Schlamm bestenfalls zur Düngung verwendet, später dann auf Deponien entsorgt. Heute wird Klärschlamm als alternativer Energieträger geschätzt, der in Faultürmen Biogas freisetzt, das teures Erdgas ersetzt. In den Klärwerken Schönerlinde, Münchehofe, Waßmannsdorf, Stahnsdorf und Wansdorf wird das hauptsächlich aus Methan bestehende Biogas zur Wärme- und Stromerzeugung in Blockheizkraftwerken nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Koppelung genutzt.

Energie aus Schlamm

Einen anderen Weg gehen die Wasserbetriebe im Klärwerk Ruhleben. Dort liefert nicht das Faulgas, sondern der Schlamm selbst die Energie für ein Blockheizkraftwerk: Der zunächst entwässerte Schlamm wird unter Zusatz von Heizöl in einem Wirbelschichtofen verbrannt. Filter und Rauchgaswäsche halten jene Schadstoffe zurück, die bei der Verbrennung freigesetzt werden und nicht in die Luft gelangen dürfen.

Energie aus Wind

In der Genehmigung durch das Land Brandenburg befinden sich drei Windräder, die auf dem Klärwerksgelände Schönerlinde im Norden Berlins mit 170 m Höhe zur Flügelspitze eine Landmarke sein werden. Die Anlagen können im Jahr 15 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Weht der Wind wie erhofft, kann das Klärwerk weitestgehend energetisch autark betrieben werden.

Energie aus Abwasser

Auch im Abwasser steckt Wärme, eine Ressource, deren Nutzung bei den Berliner Wasserbetrieben eine gute Tradition hat. Heute ist Wärme aus dem Kanal gepaart mit hocheffizienten Wärmepumpen eine echte energetische Alternative. Die industrielle Nutzung geschieht ab Ende des Jahres in einem großen Einrichtungshaus an der Landsberger Allee und wird auch bei der Sanierung einer Schwimmhalle in Schöneberg eine Rolle spielen.

Energie

–- Effizienz und Management

Die Berliner Wasserbetriebe haben ein zentrales Energiemanagement, das beispielsweise bereits bei der Planung von Investitionen einbezogen wird. „Generell gilt bei uns der Grundsatz, bei allen Anschaffungen neben den ökonomischen auch die ökologischen Dimensionen zu beachten – sowohl was die möglichst ökologische Herstellung der Produkte betrifft als auch deren Energieeffizienz“, sagt Jörg Simon. Das illustriert das Beispiel der betriebseigenen Fahrzeugflotte. Seit 2003 wurde der Fuhrpark kontinuierlich modernisiert. Der CO2-Ausstoß hat sich so um mehr als 40 Prozent verringert. Bei Neubeschaffungen werden Fahrzeuge gewählt, die die für den jeweiligen Zweck kleinstmögliche Motorisierung haben.

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