Zeitung Heute : Energiespar-Konzepte: Weniger ist manchmal mehr

Harald Olkus

Bei Wohnbauten sind Energiespar-Konzepte mittlerweile fest etabliert. Die Nutzung erneuerbarer Energien hat nicht nur einen hohen Stellenwert bei energiebewussten Haushalten, sondern gehört bereits zum "Mainstream". Zahlreiche Fertig- und Massivhaus-Hersteller sehen ihren Wettbewerbsvorteil längst im Angebot von Niedrigenergie-Häusern und Solarkonzepten. Bei gewerblichen Bauten spielen solche Energiespar-Konzepte bislang jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Zwar wird bei einzelnen Projekten damit experimentiert - Beispiele dafür sind das ungewöhnliche Lüftungskonzept im GSW-Hochhaus von Sauerbruch und Hutton in der Kochstraße oder das noch im Bau befindliche Zentrum für erneuerbare Energien am Ostbahnhof - doch selbstverständlich ist die Verwendung umweltfreundlicher Energien bei der Planung von Gewerbeimmobilien noch nicht.

So nehmen beispielsweise weder Gebäude aus Berlin noch aus anderen ostdeutschen Bundesländern am Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) teil. Es trägt den Namen "Solaroptimiertes Bauen" - kurz "SolarBau" - und soll den Einsatz erneuerbarer Energien bei Gewerbebauten attraktiver machen. Bislang werden zwölf Gebäude privater und öffentlicher Träger in diesem Programm gefördert. Darunter sind Bürogebäude, wie der Sitz der DB Netz in Hamm und das Institutsgebäude des Zentrums für umweltgerechtes Bauen in Kassel. Auch Schulungsgebäude, wie die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in St. Augustin oder Produktions- und Laborgebäude, wie das Institutsgebäude der Fraunhofer ISE in Freiburg zählen zu den geförderten Gebäuden. Die Flächengrößen liegen zwischen 1000 und 26 000 Quadratmetern.

Teil des Programms ist die wissenschaftliche Begleitung und die Auswertung der in den geförderten Bauten gesammelten Daten durch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Dabei sollen die Vorteile energetisch optimierter Bauten wissenschaftlich dokumentiert werden. Zwar sind nur die höheren Planungskosten, die ein energetisch optimiertes Gebäude benötigt, förderfähig. Dennoch sei das "SolarBau"-Programm auch wirtschaftlich interessant für Investoren, sagt Johannes Lang vom Informationsdienst BINE der Fachinformationszentrum Karlsruhe GmbH. Die Baukosten und vor allem die Betriebskosten solcher Bauten seien erheblich niedriger als die herkömmlicher Gebäude. "Werden die Einsparungen bei Wartungs- und Energiekosten mit berücksichtigt, sind diese hocheffizienten Gebäude konventionellen Gebäuden wirtschaftlich überlegen", heißt es im BINE-Journal "Kostengünstige Bürogebäude mit hoher Nutzungsqualität".

Umfassende Optimierung

Voraussetzung für die Teilnahme am Förderprogramm ist ein früher Planungsstand für einen Neubau, damit das Haus noch umfassend energetisch optimiert werden kann. Außerdem müsse das Projekt "spannend und aussagekräftig genug" sein, um beispielhaft wirken zu können, erläutert Johannes Lang.

Die energetische Situation von Bürogebäuden unterliegt speziellen Anforderungen, die sie von Wohngebäuden unterscheiden. Dazu gehören nicht nur die dichtere Belegung und die höhere Zahl Wärme abgebender Geräte, sondern auch die höheren Ansprüche an Beleuchtung, Raumtemperatur und Luftqualität. Diese speziellen Bedingungen müssten schon in der Planung berücksichtigt werden, damit Gebäude entstehen, die sowohl einen geringen Heizenergie- als auch einen geringen Stromverbrauch aufweisen.

Die technischen Voraussetzungen dafür seien vorhanden: "Mit heutigen Planungswerkzeugen, Baustoffen und fortschrittlicher Gebäudetechnik werden Gebäude realisierbar, in denen sich der gewünschte Raumkomfort weitgehend von selbst einstellt, die technischen Anlagen also nur noch phasenweise korrigierend eingreifen müssen", sagt Lang.

Notwendig für den Bau solcher Gebäude sei ein kooperativer und integraler Planungsansatz, bei dem Bauherr, Architekt und Fachingenieure bereits in einem frühen Stadium ein enges Planungsteam bilden. Zunächst müsse der Energiebedarf des Gebäudes möglichst weitgehend reduziert werden. Die geeigneten Mittel seien eine bessere Tageslichtnutzung, eine ausreichende Dämmung, passive Solarenergienutzung sowie eine kompakte Bauform. Im zweiten Schritt müsse dann versucht werden, den verbleibenden Bedarf möglichst effizient bereit zu stellen. Dies könne bei der Beleuchtung, Heizung und Lüftung geschehen.

Sobald ein effizienter Standard erreicht ist, "kann die Einbindung von regenerativen Energien eine sinnvolle Ergänzung zur weiteren Reduktion des Primärenergieverbrauchs darstellen", heißt es in dem Journal. Nachteil des energieoptimierten Bauens sei, dass es keine standardisierten Planungsabläufe gebe, und dass alle Gewerke stark aufeinander abgestimmt werden müssten. Die Gebäude müssten luftdicht sein, damit die Lüftungsanlagen funktionieren. Außerdem sollten Baufirmen und Architekten Erfahrungen mit dem Bau solcher Gebäude haben. Dafür sei die Aufenthaltsqualität und der Raumkomfort in energieoptimierten Bauten deutlich höher als in konventionellen Gebäuden.

Nähere Informationen zum solaroptimierten Bauen sind kostenfrei in der zwölfseitigen Broschüre "Effiziente Bürogebäude mit hoher Nutzungsqualität" des BINE Informationsdienstes erhältlich. Die 80-seitige Dokumentation des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ISE: "Energieeffizienz und Solarenergienutzung im Nichtwohnungsbau" kann für 28 Mark ebenfalls beim Informationsdienst BINE, Melchenstraße 57, 53129 Bonn, t 02 28 / 92 37 90 bestellt werden.

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