Energiewende : Ein Stimmungsbild

Die Deutschen stehen hinter der Energiewende. Das ist das Ergebnis einer Studie zum Naturbewusstsein im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz (BfN), für die mehr als 2000 Menschen zwischen November 2011 und Januar 2012 befragt wurden. 87 Prozent halten den Ausbau der Windenergie auf hoher See für richtig, 79 Prozent an Land. Solaranlagen außerhalb von Siedlungen befürworten 77 Prozent. Selbst einen mehr Mais (63 Prozent) oder Raps (67 Prozent) für Agrarsprit oder für Biogasanlagen akzeptiert eine große Mehrheit.

Die Begeisterung nimmt jedoch ab, wenn es um Hochspannungsleitungen geht, die nur 42 Prozent der Deutschen in Ordnung finden. Mehr Holzeinschlag in den Wäldern für die Energiegewinnung finden sogar nur 35 Prozent gut. Und obwohl Windräder und Solaranlagen inzwischen ganze Landschaften prägen, haben die meisten Deutschen keine Verschlechterung des Landschaftsbildes bemerkt. Auch wenn die vom BfN beauftragten Autoren des Ecolog-Instituts annehmen, dass viele nur selten in der Natur sind, weil sie in Städten wohnen, scheinen die meisten die Veränderungen einfach als „normal“ hinzunehmen.

Wie groß die Begeisterung darüber ist, dass die Strompreise für Haushaltskunden weiter steigen werden, hat Ecolog nicht abgefragt. Die aktuelle Strompreisdebatte hat allerdings vor einem Treffen von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit Industrieverbänden und Gewerkschaften am Dienstagabend einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Chef des Energiekonzerns Vattenfall, Tuomo Hattaka, hat in der „Süddeutschen Zeitung“ bis 2020 eine Erhöhung der Strompreise um 30 Prozent angekündigt. Industrieverbände warnen vor einer Abwanderung von Betrieben, obwohl die Industriestrompreise seit Jahren eher gesunken als gestiegen sind, unter anderem weil die meisten großen Stromverbraucher von der Zahlung der Ökosteuer, der Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien (EEG-Umlage), den Gebühren für das Stromnetz ohnehin befreit sind.

Im Durchschnitt geben die Deutschen übrigens rund zwei Prozent ihres Einkommens für Strom aus. Rund 25 Cent pro Kilowattstunde Strom sind es aktuell. Dennoch hat Eon-Chef Johannes Theyssen vor ein paar Wochen gar vor sozialen Verwerfungen wegen steigender Strompreise gewarnt. Als Grund haben Industrieverbände und Energiekonzerne die Kosten für erneuerbare Energien ausgemacht. Da inzwischen rund 25 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen, sind sie zur Konkurrenz geworden, die an der Börse in Leipzig den Börsenpreis für Strom senken. Dagmar Dehmer

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