Zeitung Heute : England – Paraguay 1 : 0

WM-Stadion Frankfurt, 10. Juni 2006, 48 000 Zuschauer

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Es ist der erste richtige Sommertag, und schon im Zug nach Frankfurt werden billige „Three-Lions“-Tattoos zu Markte getragen. Die Stimmung ist entspannt, selbst der Parcours der WM-Sponsoren wird klaglos bewältigt; viele Engländer bleiben sogar bei den Cheerleadern des amerikanischen Bierlieferanten stehen – und befüllen den Fotospeicher ihrer Mobiltelefone. Man will ja zu Hause etwas von Deutschland erzählen können! Der frühe Anstoß um 15 Uhr ist der Stimmung nicht zuträglich, aber vielleicht ist es auch die Unsicherheit vor dem ersten Spiel. Im Stadion singen mehr als 30 000 Engländer „Football’s coming home“ und „God save the Queen“ aus voller Kehle, und zum ersten Mal seit längerer Zeit wird die gegnerische Nationalhymne nicht ausgebuht. Das schönste Plakat trägt den Spruch: „Don’t give birth yet, Claire!“ Auf Deutsch: „Warte noch mit der Geburt, Claire!“ Doch je mehr das Tempo auf dem Platz verschleppt wird, umso weniger macht sich die rot-weiße Gemeinde bemerkbar. Einziger Höhepunkt: In der 65. Minute bolzt Englands Torwart den „Teamgeist“ vor den Stadionwürfel. Der anschließende Schiedsrichterball ist eine der wenigen spielfördernden Maßnahmen des Unparteiischen aus Mexiko. Thorsten Schaar

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