Zeitung Heute : Englisch für alle – das perfekte „th“

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Karen Wolff ist Dozentin für Englisch an der Hartnackschule, einer der ältesten Sprachschulen Berlins. Sie sagt: Deutsche haben ein Problem mit dem „th“.

Der „th" -Laut ist eigentlich nicht schwer: Ich sage meinen Schülern immer, dass sie kräftig ausatmen sollen, wie nach einem anstrengendem Wettlauf. Und dann einfach die Zunge raus und Zähne drauf. Das ist alles. In bestimmten Kulturen aber, wie eben in Deutschland oder auch in asiatischen Ländern, gilt das Zunge-Rausstrecken als unanständig. Diese Scham muss zunächst also überwunden werden. Dafür gibt es Tricks: In Japan hatte ich das Problem so gelöst, dass sich die Schulkinder ein Blatt Papier vor den Mund halten durften- dann erst hatten auch sie sich getraut, die Zunge raus zu strecken. Man muss den Kindern dabei klar machen, dass sie nichts Unanstößiges tun. Schließlich stammt das „th" aus dem Griechischen, hat eine lange Geschichte und ist ein legitimer Laut- und nicht etwa eine verbale Unsitte. Bei Erwachsenen dagegen appelliere ich im Unterricht an den Verstand, nicht an das Gefühl. Da hilft der Spiegel-Trick: ich demonstriere ihnen, dass sie die Zunge nur ein ganz kleines Stück rausstrecken müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Das Problem mit dem „th" ist auch eine Frage der Mentalität, das haben meine jahrelangen Beobachtungen bestätigt. So sind die Deutschen auch im Spracherwerb viel verschlossener als zum Beispiel Südeuropäer. Für Deutsche birgt das „th" oft das Gefühl einer sexuellen Konnotation– und je weiter nördlich man in Europa kommt, desto größer ist dieses Gefühl.

Dabei macht der Unterricht mit dem „th" durchaus Spaß, die Versprecher im Unterricht führen zu zahlreichen Anekdoten, über die wir gemeinsam lachen können. Die Formel „Cogito ergo sum" von Descartes ist dafür ein schönes Beispiel. „I think, therefore I am" wird bei Deutschen leicht zu „I sink, therefore I am"- Ich gehe unter, also bin ich. Ein anderes Beispiel: Wenn man sagen will, jemand sei dumm wie Bohnenstroh, hieße das „As thick as two planks"- wörtlich: so dick wie zwei Bretter. Aus „thick" wird dann einfach „sick"- so krank wie zwei Bretter. Ich glaube, dass man die Schüler sehr vorsichtig an den „th“- Laut heranführen muss. Deshalb fange ich auch erst ab der vierten Stunde mit dem „th" an. Auf gar keinen Fall vorher. Damit auch keiner Panik kriegt.

Aufgezeichnet von Sassan Niasseri. Die Hartnackschule Berlin bietet Grundstufen – Kurse für Englisch jeweils zum Monatsbeginn an, montags bis freitags 9 - 12 Uhr. Ein Monatskurs kostet 102 Euro. Telefon: 030 – 216 44 59 und 215 44 05. Im Internet unter : www.hartnackschule-berlin.de .

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