Enrique Sobejano lehrt Architektur an der UdK : „Ein Gebäude verändert die Gefühle“  

Sina Gesell
Mann mit Hut. Enrique Sobejano verbindet Kunst und Architektur. Foto: Johannes Bock
Mann mit Hut. Enrique Sobejano verbindet Kunst und Architektur. Foto: Johannes Bock

Enrique Sobejano ist auf dem Sprung. Er hat nur eine halbe Stunde Zeit, dann muss er zum Flughafen, damit er seinen Flug nach Madrid bekommt. Fast jede Woche fliegt der Architekt von Spanien nach Deutschland, um an der UdK „Grundlagen des Entwerfens“ zu unterrichten. Bald wird er öfter in Berlin sein: Ein Architekturbüro in Kreuzberg hat er schon, eine Wohnung sucht er noch.

Vergangenes Jahr haben Enrique Sobejano und seine Frau Fuensanta Nieto einen der wichtigsten Preise für Architektur und Restaurierung gewonnen: den Aga Khan Award. Honoriert wurde ihr Museum in Madinat al-Zahra, einer ehemaligen maurischen Palaststadt aus dem 10. Jahrhundert bei Córdoba. Hier entwarfen sie ein unter der Erde vergrabenes Gebäude, in dem archäologische Funde ausgestellt werden. Der Award ist nicht nur eine Auszeichnung für ein schönes Gebäude, es muss einen kulturelle Hintergrund und einen Bezug zur islamischen Welt haben. Nieto Sobejanos Museum ist einerseits modern, andererseits hat es auch archäologische und historische Elemente.

Wie das Museum bei Córdoba haben fast alle Projekte von Nieto Sobejano einen historischen Hintergrund. „Modernität und Geschichte treten bei unseren Arbeiten in einen Dialog“, sagt Sobejano. Damit ist das Büro „Nieto Sobejano Arquitectos“ seit vielen Jahren erfolgreich. Unzählige Preise hat das Architektenpaar gewonnen, zum Beispiel für den Erweiterungsbau des Moritzburg-Museums in Halle. Sobejano schätzt die Möglichkeiten, die die Architektur bietet: „Ein Gebäude, und wenn es noch so klein ist, verändert die Lebensweise und vor allem die Gefühle der Leute“, sagt er.

Selten spricht der 53-Jährige nur von sich, er bezieht seine Frau stets mit ein. Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano lernten sich während des Studiums kennen, nach einem Aufbaustudium in New York eröffneten sie in Spanien ein Architekturbüro. Wie ihr Mann lehrt Fuensanta Nieto Architektur an der Universität – allerdings in Madrid.

Heute realisiert „Nieto Sobejano Arquitectos“ europaweit Projekte. In Graz arbeiten sie am Erweiterungsbau des Joanneum-Museums, in San Sebastián haben sie den Erweiterungsbau des San Telmo-Museums entworfen. Auf dieses Projekt ist Sobejano besonders stolz. Die Fassade des Erweiterungsbaus ist löchrig, so dass Pflanzen durch den Aluminiumbau wachsen können. Wie eine grüne Wand ist das Gebäude in den dahinter liegenden Berg eingebaut. Natur und Architektur bilden eine Einheit.

Seit drei Jahren ist der Spanier nun schon Professor an der UdK Berlin. Hier gefällt ihm, dass nicht nur Technik, sondern auch Kunst eine wichtige Rolle spielt. „Jedes Mal, wenn ich mit meinen Studenten die Treppen hinuntergehe, sehen wir Arbeiten der Kunst-Studenten. Dadurch verbreitet sich eine künstlerische Stimmung“, sagt Sobejano. Er unterrichtet überwiegend Studenten aus den ersten Semestern. „Für mich ist das besonders interessant“, sagt er, „weil ich in dem Moment da bin, wenn sie noch für alles offen sind." Sina Gesell

Zum Rundgang zeigt Sobejanos Kurs „Grundlagen des Entwerfens“ Projektarbeiten (Raum 305, Hardenbergstraße 33).

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