Zeitung Heute : Entdeckungsreise: "Nordlicht" am Ende des Tunnels

Klaus Klöppel

Der äußerste Norden Europas lockt seit Jahrhunderten Abenteurer und Forscher. Jetzt wollen Norwegen, Schweden, Finnland und Russland die weitgehend unbekannte Barentsregion gemeinsam touristisch erschließen. Erstes Ergebnis des mehrjährigen Projekts ist eine virtuelle "Nordlichtroute" im Internet. Sie wurde vor Kurzem auf der Expo präsentiert.

Die Barentsregion umfasst eine Fläche von 1,3 Millionen Quadratkilometern und ist mit nur fünf Millionen Einwohnern extrem dünn besiedelt. "Ein riesiges Gebiet, das darauf wartet, entdeckt zu werden", glaubt Bendik Rugaas. Er ist Vertreter der Norwegischen Nationalbibliothek, die im Internet einen umfassenden Überblick über frühere Expeditionen, Reisebeschreibungen, Mythen und Naturphänomene im hohen Norden gibt. Dieser virtuellen Einstimmung sollen reale Angebote für die "Nordlichtroute" folgen.

Ein herausragendes Beispiel für die kulturellen Schätze der Region ist das Kloster Solovkie im Nordwesten Russlands, das als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco steht. Die monumentale Anlage war vom 15. Jahrhundert an entstanden und zeitweise von 500 Mönchen bewohnt. Sie befindet sich auf einer abgeschiedenen Insel im Weißen Meer und ist nur im Sommerhalbjahr per Schiff erreichbar. In der übrigen Zeit versperrt dichtes Eis die Passage. 1920 war das Kloster geschlossen worden und zu Zeiten Stalins Teil eines gefürchteten Straflagers. Heute leben dort wieder Mönche, doch wegen Geldmangels droht jetzt der Verfall.

Die nun mit norwegischer und internationaler Hilfe geplante Restaurierung gleicht einer Jahrhundertaufgabe. Eine touristische Entwicklung der Inselgruppe wäre auch eine Chance für die dort noch verbliebenen 1200 Einwohner. Schon heute besuchen jährlich etwa 5000 Touristen das Kloster. Zurzeit stehen ihnen nur einige sehr einfache Unterkünfte zur Verfügung, doch der Reiseveranstalter Red Prince Nature hat bereits mit dem Bau eines Hotels auf Solovkie begonnen. Die Essener Outdoor-Spezialisten haben einige weitere Projekte für einen umweltverträglichen Tourismus im Nordwesten Russlands gestartet. Ulrich Kreuzenburg von Red Prince Nature sieht hier ein "großes touristisches Potenzial". 70 Prozent des Gebietes seien nahezu unberührte Natur.

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