Zeitung Heute : Entertainment-Roboter: Verhaltensforschung an elektronischen Hunden

Holger Schlösser

Etwas zu laut dröhnt der Schlager "In the Mood" aus den Boxen hinter der Bühne. Auch die Einlagen der Showtänzer sind noch ungelenkig. Doch das stört die Anwesenden wenig. Schließlich dürfen sie der Premiere der "Aibo-Nitas" beiwohnen - einem Tanzensemble bestehend aus den vierbeinigen Entertainment-Robotern von Sony, den Aibos. Die drei Aibos der Show sollen die neue Besucherattraktion in der Music Box werden, dem interaktiven Unterhaltungsbereich von Sony am Potsdamer Platz.

Mit der Music Box will Peter Matz, Geschäftsführer der Sony Entertainment Berlin, vor allem Schulklassen und Familien das "Wesen von Klängen" vermitteln. Dabei soll in Zukunft auch die Synthese aus Robotertechnik und traditioneller musikalischer Unterhaltung helfen. "Wir wollen eine sinnlich wahrnehmbare Verbindung zwischen Technik, Musik und Tanz zeigen", so Matz zu der Aktion.

Dass die Roboter sich im Takt bewegen, die Pfoten heben oder auf dem Bauch rutschen, ist ihrem "Tanzlehrer" Hans-Dieter Burkhard, Informatik-Professor an der Humboldt-Universität, zu verdanken. Das Konzept der Tanz- und Musik-Robotik ist das Ergebnis einer mehrjährigen Kooperation von Sony mit seiner Universität. Der Professor kennt sich aus mit den elektronischen Tierchen. Zuvor hatte er ihnen bereits mit einigem Erfolg Fußballspielen beigebracht und sein Team bis zur Fußballweltmeisterschaft der Roboter, dem RoboCup, gebracht. Die Arbeit mit dem Entertainment-Robotern sieht er als eine Art Verhaltensforschung an.

Autonome Showeinlagen

Burkhard und seine Studenten erforschen, indem sie den Robotern eine der ureigensten Eigenschaften des Menschen beibringen, wie vernünftiges Verhalten zustande kommt. Schließlich müssen die Tanzhunde während der Show völlig autonom handeln können, jedes menschliche Eingreifen ist untersagt. "Der Aibo stellt eine neue eigenständige Form der Unterhaltungsrobotik dar", erklärt der Professor. Die zugrunde liegende Schlüsseltechnologie sei unglaublich vielseitig und biete enorme Möglichkeiten für eine zukünftige Weiterentwicklung. Selbst als Wachhund könnte er sich den Aibo vorstellen, nur dass das Plastiktier nicht beißen kann - "er ist zum Glück kein Kampfhund." Für Burkhard rückt der "Traum vom Roboter als Partner des Menschen" unaufhaltsam näher.

Der ERS-210

Mit dem vierbeinigen Unterhaltungsroboter hat Sony seit seiner Einführung im vergangenen Jahr eine echte Marktnische aufgetan. Über 45 000 Mal wurde das Spielzeug verkauft, erzählt Philippe Boulanger, Geschäftsführer der Sony Entertainment Robot Europe. Ein erstaunlicher Erfolg angesichts des stolzen Preises von 5000 Dollar. Die neue Generation des Aibos, der ERS-210, kommt voraussichtlich noch zum Weihnachtsgeschäft in die Läden. Eine Limitierung der Stückzahlen wie noch beim Vorgängermodell soll es nicht geben.

Mit 1 500 Euro ist er vergleichsweise preiswert, trotz seiner neuen Features. Ausgestattet mit Sensoren an Kopf, Rücken und Kinn, kann er auch äußere Einflusse wahrnehmen und mit Emotionen wie Freude oder Zorn reagieren. So soll er eigene Entscheidungen treffen und ständig dazu lernen. Dank einer Spracherkennungsfunktion wird er bis zu 50 Befehle verstehen können. Eigenschaften, auf die Hans-Dieter Burkhard und seine Studenten bereits sehnsüchtig warten.

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