Entführung : Deutscher in Afghanistan verschleppt

In Afghanistan ist ein deutscher Staatsbürger entführt worden, der vermutlich für ein Bauunternehmen tätig ist. Die Hintergründe der Tat sind unklar. Angeblich ist bereits für den Morgen ein Gespräch mit einem Vertreter der Entführer über Lösegeldforderungen geplant.

Ruth Ciesinger Frank Jansen

BerlinIn Afghanistan ist offenbar ein Deutscher verschleppt worden. Wie das Auswärtige Amt am Mittwoch in Berlin mitteilte, wurde der Mann bereits vor einer Woche entführt. Den Angaben zufolge war er weder im Auftrag der Bundesregierung oder einer deutschen Hilfsorganisation im Land unterwegs, noch handelt es sich um einen Journalisten. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, arbeitete er in Afghanistan für ein Bauunternehmen.

Afghanische Behörden sagten der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Mann sei am Leben. Der Polizeichef der Provinz Farah, Abdul Rahman Sarjang, fügte hinzu, der Mann und sein afghanischer Übersetzer würden im Distrikt Delaram im Westen des Landes von Unbekannten festgehalten. Am Donnerstagmorgen sei ein Gespräch mit einem Vertreter der Entführer über Lösegeldforderungen geplant. Der Mann ist der erste Deutsche, der seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 in Afghanistan verschleppt wurde.

Die Bundesregierung machte zu den Hintergründen der Entführung keine Angaben. Mutmaßungen, ob es sich um eine rein kriminelle Tat handele oder ob der Mann möglicherweise von Kriminellen an Taliban weiterverkauft worden sein könnte, konnten weder bestätigt noch dementiert werden. Insgesamt scheint der Fall noch relativ unklar zu sein. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bestätigte allerdings dem ZDF, dass es sich bei dem Entführten um den Mitarbeiter eines Unternehmens handelt. Die Sicherheitslage für die Bundeswehr verändere sich nicht, fügte er hinzu. „Wir haben dort unseren Schwerpunkt im Norden Afghanistans und tun alles, dass im Hinblick auf unsere Soldaten ein optimaler Schutz gewährleistet ist.“

Nach unbestätigten Berichten war der Deutsche auf der Ringstraße nach Herat im Westen des Landes unterwegs gewesen. Zuletzt soll er in Delaram in einem Restaurant auf einem kleinen Markt gesehen worden. Er sei am späten Abend gegen entführt worden. Delaram gehörte bis vor wenigen Monaten zu Nimroz, wird inzwischen aber von Farah verwaltet. Beide Provinzen grenzen an den Iran. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wollte zum Tatort keine konkreten Angaben machen. Allerdings sei der Mann nicht im Norden Afghanistans verschwunden, wo die Bundeswehr ihren Einsatzschwerpunkt hat, sagte der Sprecher. Zunächst hatte es in unbestätigten Berichten geheißen, der Mann sei in der südafghanischen Provinz Urusgan verschleppt worden.

Die radikal-islamischen Taliban, die in der Vergangenheit mehrere westliche Ausländer verschleppten, äußerten sich auf Anfrage der dpa zunächst nicht.

Es ist der zweite Entführungsfall, mit dem sich der Krisenstab des Auswärtigen Amts derzeit befassen muss: Seit Februar bemühen sich die Mitglieder um eine Freilassung von zwei im Irak entführten Deutschen. In Afghanistan wurden Deutsche in den vergangenen Jahren dagegen nicht entführt. Im März hatten bewaffnete Räuber im Norden des Landes aber einen deutschen Mitarbeiter der Welthungerhilfe erschossen. Im Oktober 2006 hatten Unbekannte eine Journalistin und einen Techniker der Deutschen Welle getötet, die in Nordafghanistan in einem Zelt am Straßenrand übernachtet hatten.

Zuletzt hatte der Fall des italienischen Reporters Daniele Mastrogiacomos besondere Aufmerksamkeit erregt. Mastrogiacomo war im Frühjahr in Afghanistan entführt und nach zwei Wochen im Austausch gegen gefangene Taliban freigekommen. Die italienische Regierung war für die Handhabung der Entführung extrem kritisiert worden.

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