Zeitung Heute : Entscheidende Periode

Cees Nooteboom über die Einladung nach Berlin 1989.

Cees Nooteboom, ein immer gern gesehener Gast in Deutschland. Foto: Isolde Ohlbaum/laif
Cees Nooteboom, ein immer gern gesehener Gast in Deutschland. Foto: Isolde Ohlbaum/laifFoto: Isolde Ohlbaum/laif

Es war im jetzt so berühmten Jahr 1989. Aus heiterem Himmel kam die Einladung, ein Jahr als Gast des DAAD in Berlin zu verbringen. Wir wussten noch nicht, wie wichtig 1989 werden würde, und angesichts meiner Nomadennatur zögerte ich und fragte, ob ich auch für ein halbes Jahr kommen könnte.

Dieses halbe Jahr wurde zu einer der wichtigsten Perioden meines Lebens, nicht nur wegen dem, was in diesem schicksalsträchtigen Jahr Berlin und Deutschland passierte, sondern auch wegen all der interessanten und inspirierenden Menschen, die ich in Berlin traf: Dichter, Maler, Schriftsteller und Philosophen. In dem gastfreundlichen Heim des damaligen Direktors, Joachim Sartorius, traf ich Max Neumann, den Maler, mit dem zusammen ich mehrere Bücher gestaltet habe. Ich verbrachte viele Abende mit Rüdiger Safranski, der mir mit seiner eloquenten Art viele Aspekte deutscher Geschichte und deutschen Gedankenguts nahe brachte.

Bald war klar, dass ein halbes Jahr niemals genug sein würde. Ich hatte begonnen, eine Art Tagebuch über die Ereignisse zu führen, die zum Fall der Mauer führen würden, Texte, die ich später in meinen „Berliner Notizen“ versammelte, ein Buch, das mir als Vorbereitung für meinen Berliner Roman „Allerseelen“ dienen würde. Als das Jahr zu Ende war, spürte ich, dass ich nicht gehen konnte und tatsächlich bin ich seitdem immer wieder nach Berlin zurückgekehrt.

Dieses Jahr wird mein Buch „Roads to Berlin“ in Großbritannien erscheinen, als Zeugnis dieser Jahre, ein Buch, das ich nie geschrieben hätte ohne diese erste Einladung damals, '89. Ich glaube, es ist unmöglich zu unterschätzen, was dieses inspirierende Programm für die vielen involvierten Künstler bedeutet hat, für ihr Verständnis für Berlin und, als Konsequenz, ganz Deutschland.

Aus dem Englischen von Annika Brockschmidt

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