Zeitung Heute : Entspannt ist nur der Zuschauer - Eine Stunde Freigang für die Kandidaten? (Kommentar)

jbh

Am Wochenende war die Menschenwürde der "Big Brothers" bei RTL 2 aufs Höchste, am Montag war sie schon viel weniger gefährdet. Von einem Verbot wollten die Landesmedienanstalten gestern nichts mehr wissen. Weil nichts Verbietbares passiert ist, gab es und gibt es nichts zu verbieten. Das haben die Medienwächter begriffen. Zur Bekräftigung ihrer Kompetenz haben sie eine Regeländerung bei "Big Brother" vorgeschlagen. Demnach sollen sich die noch neun Kandidaten pro Tag für eine Stunde in einen Raum ohne Kamera und Mikrofon zurückziehen können. Eine Stunde Freigang im "TV-Knast" - und schon ist der Mensch wieder in Würde. RTL 2 will von solcher Konzeptänderung vorerst nichts wissen. In der Sendersicht könnte der Freigang zur Entschärfung der Camp-Situation führen - und zu einer weiteren Entspannung der Zuschauer. Das Publikum nämlich hat als Erster gemerkt, was bei "Big Brother" Fernsehsache ist. Die "Real-Life-Soap" ist der aktuelle Höhepunkt des Gähn-TV. Der Zuschauer straft "Big Brother" dort ab, wo die "Medienwächter" nie werden ansetzen können - bei der Einschaltquote. Bei fortgesetztem Sinkflug dürfte "Big Brother" an fehlender Nachfrage eingehen. Könnte sein, dass die Medienanstalten dann noch immer, aber mit viel Würde über ein Verbot diskutieren.

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