Zeitung Heute : Entspannter ausgehen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

Kinder, was macht das Ausgehen in Berlin wieder Spaß! Nach gut zwei Jahren Dornröschenschlaf ist das Clubgeschehen in Berlin so aufregend wie lange nicht mehr. Es gibt neue Clubs mit anspruchsvollem Programm, und die letzten zwei, drei Wochenenden rieb man sich fast schon ein bisschen ungläubig die Augen angesichts all der großen Namen, die man plötzlich in den Partykalendern und auf Flyern lesen konnte. Letzten Samstag zum Beispiel: Im Polar TV Techno-Legende Carl Craig aus Detroit, im Watergate DJ Marcus Worgull aus Düsseldorf, im Maria The Modernist, im WMF Swayzak, im XMF Jan Delay. So viel Hochkarätiges - und alles spielt am gleichen Abend. Da wird Ausgehen für Musikinteressierte zum Partyhopping und eine Frage guten Zeitmanagements, bei den vielen Events überall genau dann einzutreffen, wenn die Party gerade am besten ist. Aber dank Handy kann man sich immer irgendwo informieren, wo wer gerade auflegt oder das Publikum auf der Tanzfläche gerade am heftigsten in die Raserei getrieben wird. Richtig gut amüsieren kann man sich bei der damit verbundenen Herumfahrerei und Kurzangebundenheit natürlich nicht wirklich, aber man bekommt viel Qualität in nur einer Nacht geboten.

Dieses Wochenende können Sie Ihr Handy ruhig links liegen lassen, und können mal wieder etwas entspannter ausgehen, denn heute und morgen bleibt es verhältnismäßig ruhig - das heißt, es sind wenig internationale Gäste in der Stadt, zu denen man pilgern müsste. Das bedeutet, dass Sie feiern gehen können, so wie früher: Um halb eins den Club betreten, es sich gemütlich machen und dann mitgrooven, bis die Party ihren Höhepunkt erreicht hat. Ganz ohne dazwischen telefonieren und ständig auf die Uhr gucken zu müssen. Heute Abend zum Beispiel empfehle ich Ihnen den Bastard-Club in Prenzlauer Berg. Dort spielt nämlich das Al-Haca Sound System aus Greifswald. Auch wenn der Name zunächst danach klingt, mit islamischen Fundamentalisten-Gruppierungen haben die Reggae-verliebten Ostseeler nichts zu tun. Der Name leitet sich vielmehr von den Initialen der drei Gründungsmitglieder Alex, Harry und Carsten ab, die das Sound System Mitte der neunziger Jahre gegründet haben. Musikalisch steht der Name Al-Haca für einen sehr offenen und abwechslungsreichen Sound, der je nach Publikum und Laune von Ska, Rock Steady und Dub über Dancehall bis zu zeitgenössischen Grooves wie Hip Hop, Soca, Dub House oder Drum ’n’ Bass reicht. Also kurz gesagt: Al-Haca vermischt das Beste aus karibischen und afroamerikanischen Musikwelten zu einem großen, aufregenden und vor allem sehr tanzbaren Ganzen.

Unterstützt werden die drei Al-Haca DJs heute darüberhinaus von MC Farda P aus Birmingham, der in den neunziger Jahren der MC der mittlerweile legendären Dub-Truppe Rockers Hi-Fi war. Sie bekommen im Bastard also nicht nur einen Top-DJ-Mix geliefert, sondern auch noch eine welterprobte MC-Begleitung dazu, die den eklektischen DJ-Mix standesgemäß stimmlich begleitet. Das ist schon ziemlich viel Programm für eine einzelne Party, das heißt, für Sie sollte heute Abend eigentlich nichts weiter auf dem Programm stehen als Al-Haca und MC Farda P.

Al Haca Sound System, Bastard im Prater, Kastanienallee 7-9, Prenzlauer Berg

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