Zeitung Heute : Entspannter Fehlstart

Der Tagesspiegel

Von Ingo Wolff

Berlin. Die Sponsorenwand im Presseraum des Jahnsportparks begann plötzlich verdächtig zu wackeln. Peter Vaas hatte sich gerade mit seinem Stuhl leicht nach hinten kippen lassen und lehnte nun mit dem Rücken an der dünnen Kunststoffwand. Gelassen ließ der Football-Trainer von Berlin Thunder die Fragen über sich ergehen. Vaas hatte gerade die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel der NFL Europe zu erklären und legte dabei eine nahezu paradoxe Gleichgültigkeit an den Tag.

Auf der einen Seite demonstrierte der Amerikaner die übliche weltmännische Gelassenheit mit seinen typischen, immer in die Zukunft gerichteten Sprüchen. Bedankte sich artig für das so stark gewachsene Interesse der Zuschauer und auch der Medien. Und auf der anderen Seite quollen durch die fast undurchsichtige Kulisse einfache Ausweichhandlungen, die auf Unzufriedenheit schließen lassen. Es war allerdings weniger die 19:24-Niederlage gegen die Amsterdam Admirals, die den Amerikaner ärgerte. Es war vor allem die Art, wie sein Team vor eigenem Publikum das Spiel verlor. Zu viele Fehler, zu viel Unkonzentriert, zu wenig Präzision. Dennoch sprach Vaas nur wenig von dem Spiel, wieder mehr von der Zukunft, verlor sich in allgemeinen Parolen, sprach sich und seinem Team Mut zu: „Wir sind ein gutes Team" und „wir werden noch gewinnen und können mit dem Team in den World Bowl einziehen."

Analysen nach dem Spiel beschränkten sich auf einige Allgemeinplätze, die er schnell wieder verließ, um dann doch noch das Große, das Grundsätzliche, das Positive an diesem Team und vor allem an dem Footballstandort Berlin anzusprechen. Natürlich sind 10 699 Zuschauer nahe am Rekord von Thunder, doch nach zwei Niederlagen könnte das Interesse auch schnell wieder absinken. Dann können sich die Organisatoren, die nach dem Spiel äußerst betrübt durch die Gänge des Jahnstadions schlichen, auch noch so ein tolles Rahmenprogramm ausdenken. Für die Fans zählt dann doch mehr der sportliche Erfolg des Titelverteidigers. Und an dem muss Vaas noch ein wenig arbeiten, auch wenn er in den ersten beiden Spielen schon knapp dran war. Und in diesem Punkt hat Vaas mit seinem Allgemeinspruch schon Recht: „Die Saison ist noch lang.“ Allerdings nur noch acht Spiele. Die nächste Chance hat Vaas schon am kommenden Sonnabend erneut bei einem Heimspiel.

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