Zeitung Heute : Er ging nie zum Gebet

Paris sucht Beweise gegen einen Djerba-Attentäter

Sabine Heimgärtner

Die Polizei in Frankreich schließt nichts aus, will aber auch nichts bestätigen. Rund um den 25-Jährigen Franzosen tunesischer Herkunft, der als Selbstmordattentäter des Anschlags gegen die jüdische Synagoge La Ghriba auf der Ferieninsel Djerba gilt, ranken sich Gerüchte. Angesichts sich widersprechender Fakten ist die oberste Polizeibehörde ratlos: „Wir haben keinerlei Spur, dass es sich bei diesem Mann um den Attentäter handeln könnte, bislang liegt jedenfalls nichts vor", bestätigte ein Sprecher dem Tagesspiegel.

Sicher ist: Seine Eltern leben mit sechs seiner Geschwister im Lyoner Stadtteil Saint-Priest. Sicher ist auch, dass er selbst nie in Frankreich gelebt hat. Die Zeitung, „Le Progres", berichtet, dass der Mann, den man verdächtigt, der Fahrer des mit Gasflaschen beladenen Lastwagens gewesen zu sein, der einzige Sohn der Familie Nawwar war, der dem Clan nicht nach Lyon folgte. Er habe eine Ausbildung als Touristenführer in Kanada gemacht und sei davon 1999 zurückgekommen. Seitdem soll der mutmaßliche Attentäter mit dem Namen Ben Mohammed Nizar Nawwar auf Djerba für eine kanadische Reiseagentur tätig gewesen sein. Der Sohn, so erzählt die Mutter, habe sich regelmäßig aus Tunesien gemeldet, das letzte Mal am 5. April. Damals habe er erzählt, dass er die Eltern – der Vater ist Maurer, die Mutter Hausfrau – und Geschwister bald in Lyon besuchen wolle.

Den französischen Behörden ist der Mann unbekannt. Unerklärlich ist für die Familie eines: Mohammed Nizar sei „überhaupt nicht religiös" gewesen. „Er hat Alkohol getrunken und ging nie zum Gebet ", berichtet die Mutter. Und: Der Sohn hat nach Aussagen der Familie keinen Führerschein. Wie, fragen sich die Nawwars, sollte er der Fahrer gewesen sein? Allerdings: Auch die Familie von Mohammed Atta, einem der Attentäter des 11. Septembers, wollte nie wahrhaben, dass ihr Sohn ein Terrorist war.

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