Zeitung Heute : Er kannte die Story schon

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Freitag, 12. Juli: Das Magazin „Stern“ legt Scharping einen Fragenkatalog zu seinen angeblichen Geschäften mit Hunzinger vor und bittet um Antworten.

Montag, 15. Juli: In „Bild“-Zeitung und „Süddeutscher Zeitung“ erscheinen erste Berichte. Schon am Sonntag hatte Scharping Kanzler Schröder informiert. Ausgewählten Journalisten bietet er noch spät am Abend telefonische Auskünfte für den Fall an, dass Vorwürfe gegen ihn veröffentlicht würden. Er selbst setzt seine Sommerreise zu Militärstandorten fort.

Dienstag, 16. Juli: Der „Stern“ gibt einen Vorab-Text seiner Story an die Medien. Journalisten, die im Verteidigungsministerium dazu recherchieren wollen, erhalten die Auskunft, der Minister werde alle Akten vorlegen und die Vorwürfe entkräften. Allerdings wird diese Zusage nicht erfüllt.

Mittwoch, 17. Juli: Scharpings Hinhaltetaktik wird zum Thema der Bundespressekonferenz. Regierungssprecher Heye verspricht, die Regierung werde Scharping drängen, rasch Auskunft zu geben. Am Abend berät sich Schröder, der zu Hause in Hannover Urlaub macht, mit seinen engsten Vertrauten. Scharping, der sich ebenfalls in Niedersachsen aufhält, lehnt eine Teilnahme ab. Die Runde kommt zu dem Schluss: „Das geht so nicht weiter.“ Danach wird der Minister zum Rücktritt gedrängt.

Donnerstag, 18. Juli: Am Vormittag werden Sondersitzungen von SPD-Präsidium und Fraktionsführung zum Thema Scharping für denselben Tag angekündigt. Damit wird öffentlich klar, dass Scharping gehen soll. Offen ist nur noch, ob er selbst zurücktritt oder ob Schröder ihn entlassen wird. Scharping bricht seine Truppenreise ab und kommt zur Präsidiumssitzung. Einigen Journalisten erklärt er noch vor der Sitzung telefonisch, er wolle nicht zurücktreten, werde aber „hocherhobenen Hauptes“ gehen, falls er entlassen werde. In der Sitzung steht er völlig allein mit der Auffassung, er könne die Affäre im Amt überstehen. Kurz darauf gibt Schröder bekannt, dass er Rau um Entlassung Scharpings bitten wird. Struck solle Nachfolger werden. Scharping nennt die Vorwürfe vor Journalisten „konstruiert“, sagt, er habe sich nichts vorzuwerfen und könne deswegen auch nicht zurücktreten. Er verlasse aber das Amt mit „erhobenem Haupt und geradem Rückgrat“.

Freitag, 19. Juli: Die SPD-Fraktion billigt Scharpings Rauswurf in einer Sondersitzung. Um 13 Uhr bekommt Scharping von Bundespräsident Rau die Entlassungspapiere, Nachfolger Struck seine Ernennungsurkunde. Tsp/dpa

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