Erbrecht : Nach dem Ende geht es um äußere Werte

Je höher der Nettowert des Vermögens ist, desto größer sind die Chancen der Besteuerung.

Antje Schweitzer
Geregelter Nachlass. Bargeld im Schließfach ist meist nicht versichert, wird so aber nicht von der Steuer erfasst.
Geregelter Nachlass. Bargeld im Schließfach ist meist nicht versichert, wird so aber nicht von der Steuer erfasst.Foto: Gina Sanders/Fotolia

Der Tod bedeutet oft auch Vererben und Erben. Also die Vermögensübertragung an Hinterbliebene durch ein Testament oder – falls es keinen Letzten Willen gibt – auf Grundlage der gesetzlichen Erbfolge. Auch das Finanzamt interessiert der Nettowert des Vermögens. Denn je höher dieses ist, desto größer die – je nach Perspektive – Chance oder Gefahr, dass viel Erbschaftsteuer fällig wird. „Bevor die Finanzverwaltung den Steuerbescheid verschickt, muss das Vermögen bewertet werden“, erklärt Richard Kober, Fachanwalt für Familienrecht in Köln.

Die Details:

Barvermögen etwa auf Konten und Sparbüchern wird mit dem Nominalwert angesetzt. Wie viel das ist, kann das Finanzamt problemlos wegen der Mitteilungspflichten von Banken und Sparkassen ermitteln. Hat der Verblichene dicke Geldbündel im Kleiderschrank gehortet, ist der Nachweis für den Fiskus praktisch unmöglich. Gleiches gilt für Edelmetalle wie Gold- und Silbermünzen/-barren daheim im Tresor.

Wertpapiere wie Bundesanleihen und sonstige Schuldverschreibungen, Aktien, Anteile an Investmentfonds oder Zertifikate werden bei der Vermögensaufstellung mit dem Kurswert am Todestag berücksichtigt.

Komplizierter ist die Wertermittlung eines Unternehmens und von Anteilen an nicht börsennotierten Kapitalgesellschaften, vor allem GmbHs. Angewendet wird hier das so genannte Ertragswertverfahren – eine vergleichsweise komplizierte Formel, anhand derer die Gewinnstärke einer Firma berechnet wird.

Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz vom Dezember 2009 gilt rückwirkend zum 1. Januar 2009: 85 Prozent des Wertes von Betriebsvermögen sind von der Erbschaftsteuer befreit. Voraussetzungen: Das Unternehmen beschäftigt mindestens 20 Arbeitnehmer und die aufaddierte Lohnsumme ist fünf Jahre nach dem Firmenübergang mindestens viermal so hoch wie die Ausgangslohnsumme.

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