Zeitung Heute : Erdgasauto: Die saubere Alternative

Ingo Dahlern

Der Kraftstoff der Zukunft ist der Wasserstoff - nicht nur für Verbrennungsmotoren, sondern auch für Brennstoffzellen. In ihnen wird, ohne dass dabei irgendwelche Schadstoffe entstehen, aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrischer Strom erzeugt. Doch der Weg zu einer lückenlosen Wasserstoff-Infrastruktur und insbesondere einer Wasserstoffgewinnung aus erneuerbaren Energien erfordert viele Jahre oder gar Jahrzehnte. Andererseits verlangen die heute schon erheblichen Belastungen für die Umwelt auch durch den Verkehr, dass möglichst schnell gehandelt wird. Und dazu gehört es, für eine Übergangszeit nach überzeugenden Alternativen für flüssige Kraftstoffe wie Benzin und Diesel zu suchen.

Eine der attraktivsten Alternativen ist dabei das Erdgas, das praktisch reines Methan ist. Das ist nämlich in vielen Regionen der Welt in erheblichen Mengen sofort verfügbar und kann zudem problemlos in den heute üblichen Motoren verbrannt werden, wenn man die ein wenig umrüstet. Einige Hersteller bieten Erdgasfahrzeuge heute bereits direkt vom Band an - als Serienfahrzeuge, wie zum Beispiel Volvo den S80 Bi-Fuel und Fiat den Multipla Bipower.

Hauptgewinner beim Einsatz von Erdgas ist ganz offensichtlich die Umwelt. Denn die Kohlendioxidemissionen eines Erdgasfahrzeugs liegen um 25 Prozent unter denen eines Benziners. Um rund 80 Prozent sinken die Emissionen von Kohlenmonoxid und um 20 Prozent die von Kohlenwasserstoffen. Betrachtet man nur die reaktiven Kohlenwasserstoffe, die mit für die Entstehung bodennahen Ozons verantwortlich sind, vermindern sich die sogar um rund 60 Prozent. Kaum messbar bei Erdgasfahrzeugen sind Partikelemissionen und nicht vorhanden Benzolemissionen. Hinzu kommt für lärmgeplagte Menschen, dass Erdgas leiser verbrennt als Benzin. Für Erdgas spricht aber auch ein Blick ins Portemonnaie. So zahlt man für Erdgas rund 20 Prozent weniger als für Dieselkraftstoff und sogar rund 50 Prozent weniger als für Benzin.

All das macht Erdgas zu einem sehr attraktiven Kraftstoff, der in Deutschland bislang nur eine Nebenrolle spielt. Im Unterschied zu Italien, wo rund 320 000 "Metanos" auf den Straßen rollen, zählt man hier gerade einmal 12 000 Erdgasfahrzeuge. Und auch Russland gehört zu den großen Erdgasnutzern, China könnte es angesichts dort verfügbarer Ressourcen und der wachsenden Motorisierung schon bald werden. Doch die Situation könnte sich auch bei uns schon bald ändern. Denn das derzeit mit rund 200 Stationen immer noch recht dünne Netz von Erdgastankstellen in Deutschland wird zusehends dichter geknüpft. So wurde in Berlin unlängst die zwölfte Erdgas-Zapfsäule in Betrieb genommen. Fachleute glauben, dass um 2010 in Deutschland rund 400 000 Erdgasfahrzeuge unterwegs sein werden.

Fahrzeuge, deren Technik inzwischen ausgereift und zuverlässig und vor allen Dingen auch sicher ist. Das gilt sowohl für die hochfesten Tanks, die selbst bei Unfällen kein besonderes Gefahrenpotenzial bilden. Und das gilt auch für die Betankungstechnik an speziellen Erdgas-Zapfstellen. Auch wenn viele Autofahrer es nicht glauben wollen - Benzin ist weitaus explosiver als Erdgas.

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