Zeitung Heute : Erfolge und ein Eklat

Die deutschen Leichtathleten überzeugten mit vielen Medaillen. Ganz harmonisch ging es unter ihnen dennoch nicht zu.

NICO FEIßT[18 JAHRE] 19 JAHRE ALEXANDER KAUSCHANSKI[18 JAHRE]
Werfen und siegen. Birgit Kober gewann den Speerwurf mit Weltrekordweite. Über 200 Meter lieferten sich Czyz (unten links) und Popow ein Duell.
Werfen und siegen. Birgit Kober gewann den Speerwurf mit Weltrekordweite. Über 200 Meter lieferten sich Czyz (unten links) und...Foto: dpa

18 Medaillen: Die Leichtathletik trug am meisten zur guten Gesamtplatzierung des deutschen Teams bei den Paralympics bei. Fünf Gold-, drei Silber- und zehn Bronzemedaillen erkämpfte sich die Mannschaft, dazu kamen noch drei Weltrekorde. Und trotzdem gab es Ärger.

Olympiastadion, Wettkampftag neun: Nach Staffelbronze zwei Tage zuvor qualifizieren sich Heinrich Popow und Wojtek Czyz souverän für das 100-Meter-Finale. Es folgt ein kurzes, aber heftiges Donnerwetter von Czyz: „Was der macht, ist ganz klar technisches Doping.“ Gemeint ist Teamkollege Heinrich Popow, der schon Wochen vor dem Finale klargestellt hatte, dass alles andere als Gold eine große Enttäuschung für ihn wäre. Dieser dürfe ein künstliches Knie verwenden, das anderen vorenthalten werde.

Das Finale wird packend: Popow, Czyz und der Australier Scott Reardon kämpfen um die ersten drei Plätze, wobei Popow mit Europarekord in 12,4 Sekunden Gold holt. Für Czyz bleibt Bronze. Czyz ruderte am Abend zurück und verwies lediglich auf bessere Kontrollen, Popow äußerte sich nach dem Rennen gewohnt direkt: „Ich habe jahrelang so hart auf diesen Tag hingearbeitet, dass mich sein Psychoterror nicht mehr getroffen hat. Vor den Spielen hätte es mir sicher zu denken gegeben, aber so kurz vor dem Ziel nicht mehr. Ich dachte immer, dass der Zusammenhalt im deutschen Team besser ist." Bis auf dieses Störfeuer war der Zusammenhalt aber da, selbst außerhalb der Wettkämpfe sah man die Teammitglieder häufig zusammen.

Zur guten Stimmung beigetragen haben die Erfolge. Weltrekordler Markus Rehm und Czyz feierten gleich am ersten Tag einen Doppelsieg im Weitsprung. Birgit Kober gelang bei zwei Starts, im Kugelstoßen und Speerwurf, jeweils ein Weltrekord – und sie gewann folgerichtig auch Gold. Seit einer falschen Medikamentenbehandlung sitzt die 41-Jährige im Rollstuhl. Erst 2009 fing sie mit dem Behindertensport an. Bei den Siegerehrungen kämpfte die Münchnerin mit den Tränen, kurze Zeit später scherzte sie schon wieder: „Die zwei Goldmedaillen schnüren mir noch den Kragen ab!“

Marie Brämer-Skowronek holte im Speerwurf hinter Kober Silber. Im Diskuswurf gewann Sebastian Dietz Gold. Die 59 Jahre alte Marianne Buggenhagen wurde Zweite im Kugelstoßen – es war ihre 13. Medaille bei den Paralympics. Nachdem sie bereits mit einem Karriereende geliebäugelt hatte, scheint nun eine Fortsetzung ihrer Erfolgsgeschichte in Rio de Janeiro nicht ausgeschlossen, aber nur, „wenn man mich mit 63 noch sehen will“.

Eine weitere Gewinnerin war Ilke Wyludda, die 1996 Gold bei Olympia gewonnen hatte: Sie verpasste als Neunte zwar das Finale, trat aber auf die große Bühne des Behindertensports. Auch David Behre hat alles richtig gemacht: Er erreichte das 200-Meter-Finale gegen Oscar Pistorius und Co. und lief über 400 Meter persönliche Bestzeit und Europarekord.

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