Zeitung Heute : Ergebnis wider Willen

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Als Silvio Berlusconi im vergangenen Dezember eine Reform des Wahlrechts durchpeitschte, stieß das in Italien auf erbitterten Widerstand. Mit der Rückkehr zum Verhältniswahlrecht und der Einführung einer Siegprämie für das stärkste Wahlbündnis wolle Berlusconi seine eigene Haut retten, hieß es aus dem Mitte-links-Bündnis von Romano Prodi. Doch jetzt sieht es so aus, als könne ausgerechnet Prodi von dem neuen Wahlrecht profitieren. Obwohl sein Bündnis „L’Unione“ bei den Wahlen nur 27 000 Stimmen vor dem Berlusconi-Block liegt, werden die linken Parteien voraussichtlich 340 von 630 Abgeordneten in der ersten Kammer stellen können. Berlusconis Wahlbündnis dürfte weniger als 300 Sitze bekommen. Grund ist die neue Regelung, nach der das siegreiche Bündnis automatisch 340 Sitze zugesprochen bekommt – unabhängig vom Stimmenanteil.

Erstmals stellen nach dieser Wahl auch die Auslandsitaliener aus ihren Reihen 12 Abgeordnete und sechs Senatoren. Auch davon profitiert das Mitte-links-Bündnis: Hätten nur die in Italien lebenden Staatsbürger abgestimmt, hätte das Berlusconi-Lager im Senat mit 155 zu 154 Sitzen die Nase vorne gehabt. Doch die Auslandsitaliener entschieden sich deutlich für das Prodi-Bündnis. Von den sechs für sie reservierten Sitzen im Senat – der zweiten Kammer – entfallen voraussichtlich vier auf „L’Unione“ und nur zwei auf das rechte Wahlbündnis. Dennoch könnte die Regierungsbildung für Prodi gerade im Senat zur Zitterpartie werden. Er kann nur Regierungschef werden, wenn ihm auch dort das Vertrauen ausgesprochen wird. Doch sein Wahlbündnis besteht aus diversen Gruppen von Christdemokraten bis hin zu den Kommunisten – diese hatten ihn bereits in seiner ersten Amtszeit als Premierminister 1998 zu Fall gebracht. fal

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