Zeitung Heute : Erkaltete Liebe: Geothermie hat Schattenseiten

Der Rheingraben mit seinem zerklüfteten Untergrund ist wie geschaffen für die Gewinnung von Erdwärme. Doch Bohren ist verboten – vorläufig. Seit in Basel und Landau nach Geothermie-Bohrungen die Erde gebebt und sich im südbadischen Staufen der Boden gehoben hat, sind Behörden und Bevölkerung in Habachtstellung. Viele Wissenschaftler beobachten das mit Sorge. „All die Anlagen, die seit den 1970er Jahren weltweit problemlos laufen, werden dabei oft übersehen“, bedauert der Geo-Professor Frank Schilling vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Um die Geothermie entscheidend voranzubringen, müsste seiner Ansicht nach geklotzt und nicht gekleckert werden. „Als es vor 60 Jahren darum ging, die Atomenergie friedlich zu nutzen, wurden mehrere tausend Wissenschaftler auf einen Schlag mit dem Thema beschäftigt.“ Verglichen damit ist Geothermie ein Stiefkind. Dabei hat die Erdwärme einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zu Windkraft und Sonnenenergie. Sie ist Tag und Nacht und bei jedem Wetter zu haben. Damit kann sie, wie Kohle- und Kernkraft, die Grundspannung in den Netzen aufrechterhalten. „Aber im Moment fehlt uns die Lobby“, bedauert Schillings Geothermie-Professorenkollege Thomas Kohl.

Das zeigen auch die Zahlen des Bundesumweltministeriums. In die Entwicklung der Windenergie flossen 2010 mehr als 50 Millionen Euro Fördergeld, fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Auch die Fotovoltaik konnte sich von etwa 32 auf knapp 40 Millionen Euro steigern. Die Geothermie stagnierte dagegen weitgehend bei knapp 15 Millionen Euro.

Weitgehend anerkannt ist die oberflächennahe Geothermie allerdings für die Wärmegewinnung. Tausende Häuslebauer setzen inzwischen erfolgreich die rund 100 Meter tiefe Sonde ein, um mit der Energie des warmen Untergrundes ihre Wohnungen zu heizen oder auch zu kühlen. dpa

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