Zeitung Heute : Erkenntnisse aus dem Labor sollen dem Patienten rascher helfen, wieder gesund zu werden

Von Kompetenznetz bis Behandlungszentrum: Begriffe aus der medizinischen Forschung und ihre Bedeutung

KOMPETENZNETZE

Die Erforschung und die Behandlung von Krankheiten erfolgt häufig auf getrennten Wegen. Dabei wäre es oft viel sinnvoller, sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Kompetenznetze sollen dabei helfen und Wissenschaftler, Ärzte und Patienten zusammenbringen. Mittlerweile gibt es 21 Kompetenznetze zu Krankheiten wie Asthma, Darmentzündung, Schlaganfall und Diabetes. Gefördert werden sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

KOHORTEN

Der Ausdruck Kohorte klingt nach römischem Militär. In der Medizinforschung wird damit aber eine Gruppe von Menschen beschrieben, die eine Gemeinsamkeit hat und über einen längeren Zeitraum beobachtet wird. Das ist medizinisch gesehen eine Kohorte. Zum Beispiel wäre es denkbar, eine Kohorte von zunächst gesunden Rauchern mit einer Kohorte von Nichtrauchern über zehn Jahre zu beobachten und aufzuzeichnen, wie häufig in beiden Gruppen Lungenkrebs auftritt. Die berühmteste Kohortenstudie aller Zeiten ist die 1949 begonnene und bis heute fortgeführte Framingham–Studie (benannt nach dem Ort an der amerikanischen Ostküste, in dem die Kohorte lebt). Sie geht der Frage nach, welche Faktoren das Risiko erhöhen, eine koronare Herzkrankheit zu bekommen. Eine namhafte europäische Kohortenstudie ist „Epic“, eine Untersuchung zum Zusammenhang von Krebs und Ernährungsgewohnheiten mit mehr als einer halben Million Teilnehmern. Am deutschen „Arm“ der Studie, Epic-Potsdam, sind rund 28000 Menschen beteiligt. Kohortenstudien liefern wichtige, oft bahnbrechende Erkenntnisse, sind aber teuer und langwierig.

TRANSLATIONALE FORSCHUNG

„Translation“ ist das englische Wort für Übersetzung. Gemeint ist hier die Umsetzung von Erkenntnissen der Grundlagenforschung in der Krankenversorgung. Aktuelles Beispiel ist die Entzifferung des Erbguts, des Genoms. Es enthält wichtige Informationen über Krankheitsrisiken und über möglicherweise erfolgversprechende Behandlungen. Kompetenznetze (s. oben) und ebenfalls vom Bundesforschungsministerium geförderte Koordinierungszentren für klinische Studien helfen, das Wissen aus dem Labor rasch in Nutzen für den Kranken umzumünzen.

VERNETZTE MEDIZINISCHE FORSCHUNG

Medizinische Forschung wird zunehmend durch das Miteinander verschiedener Fachgebiete bestimmt. Geforscht wird zudem an verschiedenen Orten, Patientendaten müssen erhoben werden, möglicherweise genetische Informationen oder Gewebematerial gesammelt werden. Das stellt große methodische und organisatorische Anforderungen.

TECHNOLOGIE- UND

METHODENPLATTFORM

Die Telematik, also der Einsatz von Telekommunikation und Informatik, ist aus der medizinischen Forschung nicht mehr wegzudenken. Ihr Einsatz bei großen Studien soll durch die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung erleichtert werden. Die Plattform ermöglicht die Vernetzung innerhalb eines Forschungsvorhabens und kümmert sich zum Beispiel auch um den Datenschutz und die Qualitätssicherung. Ende 2010 hatte die Plattform 79 Mitglieder, darunter Institute, und überregional organisierte Forschergruppen.

INTEGRIERTES FORSCHUNGS-

UND BEHANDLUNGSZENTRUM

Schlaganfall, Organverpflanzung, chronische Immunschwäche – das sind wichtige medizinische Themen, in denen die wissenschaftliche Erkenntnis spürbar schneller zum Patienten gelangen muss. Diesem Ziel sollen vom Bund über mehrere Jahre geförderte Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren dienen, in denen zu bedeutsamen Krankheiten an Universitätskliniken jeweils ein Schwerpunkt gebildet wird. Nachwuchswissenschaftler sollen frühzeitig selbstständig arbeiten können. Jüngstes Beispiel für ein solches Forschungs- und Behandlungszentrum ist das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz, das in Würzburg im Mai gegründet wurde. Unter dem Dach des Zentrums sollen Forscher und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen gemeinsam an der Bekämpfung der Herzschwäche arbeiten (s. Artikel auf der ersten Seite der Beilage). wez

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