Zeitung Heute : Erlebnisbäder: Toskana-Urlaub an der Havel

Harald Olkus

Spaß- und Erlebnisbäder haben Konjunktur in Brandenburg. Wohl jede größere Stadt im Berliner Umland hätte gern eins. Die Bäder werden Badegäste anlocken, auch wenn im Winter die Seen zugefroren sind, hoffen die Gemeinden. Sie könnten auf diese Weise die kurze und oft unsichere Sommersaison verlängern. Doch nicht alle können sich ein solches Bad leisten und die Fördergelder sind knapp.

Nach der Bäderplanung des Landes Brandenburg sollen vier Städte mit insgesamt 56 Millionen Mark bezuschusst werden. In der Region Potsdam konkurrierten gleich zwei Städte um die Zuwendungen der Landesregierung. Die Stadt Potsdam möchte ihre marode städtische Schwimmhalle "Am Stern" gern durch ein Schwimmbecken im Erlebnisbad des geplanten Freizeitparks Drewitz ersetzen. Gleichzeitig will die Mega Entwicklungs- und Gewerbeansiedlungs-AG in der nur 20 Kilometer entfernten Blütenstadt Werder auf einer ehemaligen Liegenschaft der Sowjetarmee eine Freizeitanlage am Wasser errichten. Herausragender Besuchermagnet soll ein Erlebnisbad im mediterranen Stil sowie eine Uferpromenade an einem einen Kilometer langen, künstlich angelegten Hafen sein.

Den Zuschlag erhielt zunächst Werder. Wegen des schlüssigeren Konzepts und eines privaten Betreibers hatte das Potsdamer Wirtschaftsministerium das Werderaner Projekt vorgezogen. Bereits im Herbst will Investor Harald Frisch, der Betreiber des "blub" in Neukölln, mit dem Bau des Erlebnisbades in den Havel Auen am Großen Zernsee beginnen. In den "Toskana Thermen", wie das "italienisch thematisierte Badeparadies" heißen wird, sollen sich um eine große Glaskuppel ein Schwimmbad, eine Sport- und Wellness-Anlage, sowie ein Hotel und Ferienwohnungen mit 800 bis 1000 Betten gruppieren. Das Ganze soll "naturnah" gestaltet werden, sagt der Kaufmännische Leiter der Mega in Werder, Oliver Klingberg. Entlang der Hafenpromenade mit 360 Bootsliegeplätzen werden sich dann auch Geschäfte, Restaurants und Boutiquen reihen. Ostern 2003 soll das Badeparadies eröffnet werden. Die Mega erwartet für das Spaßbad rund 700 000 Besucher im Jahr. Neben den Seglern mit festen Liegeplätzen sollen Wasserwanderer, Tages- und Wochenendausflügler aus Berlin sowie Brandenburger aus einem Radius von 90 Kilometern Entfernung in die Havel Auen kommen, erwartet Oliver Klingberg. Mit den Bauvorbereitungen, dem Abriss der verbliebenen Kasernen der Sowjetarmee und der Erschließung des Geländes, soll noch in diesem Frühjahr begonnen werden. Frisch will auf dem insgesamt 37 Hektar großen Gelände 150 Millionen Mark investieren.

Doch auch die Stadt Potsdam hält an ihrem Spaßbad im Stadtteil Drewitz fest. Die Stadt sei sehr daran interessiert, dass in dem geplanten Bad ein 25-Meter-Becken für den Schulsport integriert wird, sagt die Pressesprecherin der Stadt Potsdam, Rita Haack. Es wird erwartet, dass der Bau eines neuen Schwimmbeckens günstiger ausfällt, als die Renovierung des vorhandenen städtischen Bades. Im Januar wurden auf einer Abstimmungsrunde zwischen Wirtschaftsminister Fürniß, Oberbürgermeister Matthias Platzeck sowie Vertretern der LEG Projektentwicklung und dem Betreiber des Bades die Bedingungen geklärt, unter denen das Drewitzer Bad doch noch gefördert werden könnte. Sofern sich das geplante Erlebnisbad in das "touristische Profil der Region" einpasst und der Investor das Finanzierungskonzept noch einmal ändere, sei dies durchaus möglich, sagt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums des Landes Brandenburg. Der Investor, die Berliner Benno Vermögensverwaltungs GmbH, muss allerdings noch einmal neu rechnen. Denn die bislang eingeplante Höchstfördersumme von 43 Prozent könne aufgrund einer Änderung der EU-Fördermittelrichtlinie nicht ausgezahlt werden, sagt Rita Haack. Die Höchstgrenze liege jetzt nur noch bei 30 bis 35 Prozent. Bis Mai soll der Investor das neue Konzept vorlegen, damit im Kabinett darüber entschieden werden kann.

Für die Stadt Potsdam ist der Bau des 25-Meter-Beckens Bedingung für die Genehmigung des geplanten Freizeitparks Drewitz. Auf insgesamt 40 000 Quadratmetern Nutzfläche will das Unternehmen neben dem Erlebnisbad mit Wellenbad, Spiel- und Planschbecken, Wasserrutschen, Whirlpool und Saunen auch Fitness-Studios und diverse Sportanlagen errichten. 9000 Quadratmeter sollen ein Hotel sowie Läden zu den Themen Sport und Freizeit einnehmen. Doch gerade bei den Geschäften befürchtet die Stadt einen Interessenskonflikt mit dem nahegelegenen Stern Center.

Der Freizeitpark hängt bereits seit längerem in der Warteschleife. Bereits vor vier Jahren plante eine Freizeitpark Drewitz GmbH die Errichtung eines Entertainment Centers nach amerikanischem Vorbild, zu dem auch ein Multiplex-Kino gehören sollte. Doch das Projekt geriet ins Stocken, der Bau des Kinos wurde abgesagt und ein neuer Inverstor musste gefunden werden. Die Benno Vermögensverwaltungs-GmbH übernahm das Projekt und entwarf ein neues Konzept. Bislang kollidiert es allerdings noch mit anderen Interessen. Ob die Region jedoch gleich zwei Erlebnisbäder verträgt, dürfte fraglich sein.

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