Zeitung Heute : Ermittlungen gegen Zollitsch

Berlin - Im Skandal um den Missbrauch von Schutzbefohlenen in der katholischen Kirche ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Ihm werde Beihilfe zum sexuellen Missbrauch vorgeworfen, sagte der Freiburger Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier am Mittwoch. Er bestätigte damit einen Bericht der ARD und des „Südkuriers“.

Demnach soll Zollitsch 1987 die Wiedereinstellung eines Paters in der Bodenseegemeinde Birnau verfügt haben, von dem bekannt gewesen sei, dass er sich an Kindern vergangen habe. Ein Opfer dieses Paters hat die Anzeige erstattet. Das Verfahren sei der Zuständigkeit halber an die Staatsanwaltschaft Konstanz übergeben worden. Bei der dortigen Staatsanwaltschaft hatte der 53-jährige Mann, der als Ministrant in den 60er Jahren in Birnau von dem betreffenden Pater sexuell missbraucht worden war, bereits zuvor eine Anzeige eingereicht. Der Mann hatte 2006 die Erzdiözese Freiburg über den Fall informiert. Die Diözese habe sich damals geweigert, das Bistum Chur in der Schweiz über den Verdacht zu informieren. Der Pater zog sich erst unter massivem Druck des heute 53-Jährigen aus der Seelsorge-Arbeit in Chur zurück.

Die Erzdiözese Freiburg wies die Vorwürfe als substanzlos zurück. Der Erzdiözese sei erst seit Ende 2006 bekannt, dass es in den 60er Jahren „zumindest einen“ Missbrauchsfall durch einen Pater in Birnau gegeben habe. Zollitsch als damals zuständiger Personalreferent habe 1987 keinesfalls die erneute Anstellung des Paters veranlasst. Die Wallfahrts- und Klosterkirche Birnau gehöre seit 1919 zur Zisterzienser-Abtei Mehrerau in Österreich. Diese Territorialabtei sei „vollständig unabhängig vom Diözesanbischof“, heißt es in einer Erklärung. Diözesan-Sprecher Robert G. Eberle sagte, Zollitsch stehe im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Freiburg, „damit die Substanzlosigkeit der Vorwürfe rasch geklärt werden kann“.

Im Mai war der Augsburger Bischof Walter Mixa von seinem Posten wegen eines Missbrauchsverdachts abgelöst worden. Das Justizministerium ließ offen, ob die Ermittlungen Folgen für die Gespräche am Runden Tisch zum Thema Missbrauch haben. „Wir äußern uns dazu nicht“, hieß es am Mittwoch. rtr/neu/Tsp

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