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Von Kurt Sagatz

Die Warnung der Gartner Group hat es in sich: „Hände weg vom niederländischen Webhoster KPNQwest und dessen Partnerprovidern“, zitiert der Online-Dienst ZDnet ein Exposé der Marktbeobachter. Das Tochterunternehmen der niederländischen Telekommunikationsgesellschaft, das Ende Mai Insolvenz angemeldet hat, ist für das deutsche Internet in zweierlei Hinsicht bedeutsam. Zum einen läuft über die Glasfaserleitungen von KPNQwest Germany ein beachtlicher Teil des gesamten deutschen Internet-Verkehrs. Zum anderen tritt das Unternehmen als Webhoster auf, hält also Internet-Seiten zum Abruf bereit. In dieser Funktion ist KPNQwest unter anderem Partner der Berliner Strato AG, einem der beiden größten Webhoster Deutschlands mit einem Marktanteil von ungefähr einem Drittel. In Zahlen gesprochen: Rund 1,6 Millionen Internet-Präsenzen werden von Strato gehostet. Wenn keine Lösung gefunden wird, könnten diese von einem auf den anderen Tag nicht mehr erreichbar sein. Das Fazit der Gartner-Leute ist jedenfalls eindeutig: „Fangen Sie an, Sicherungskopien ihrer Daten zu ziehen und schauen Sie sich nach alternativen Anbietern um.“ Die Berliner Strato AG, die zuletzt durch ihre Partnerprogramm-Werbekampagne mit George W. Bush und Gregor Gysi in enger Umarmung aufgefallen war, hat sich vor allem im Geschäft mit der privaten Kundschaft einen n gemacht.

Noch ist alles andere als sicher, welchen Fortgang die Insolvenz nehmen wird. Verhältnismäßig sicher scheint nur, dass der Glasfaser-Bereich noch mindestens einen Monat funktionieren wird. KPNQwest-Insolvenzverwalter Ulrich Bert von der Kanzlei Reuss & Partner möchte das Unternehmen sanieren. Am Donnerstag musste er seine Vorstellungen dem Insolvenzgericht vorstellen. Aber auch andere Szenarien sind vorstellbar. So würde Strato das Karlsruher Rechenzentrum gerne von KPNQwest übernehmen. Entweder allein oder – besser noch – zusammen mit großen, „international renommierten Partnern“. Cisco, IBM, Intel oder Microsoft wurden als Kandidaten genannt.

KPNQwest-Sprecher Thilo Huys zeigt sich jedenfalls überzeugt, dass es nicht zum Schlimmsten kommen wird. Dies könne die Internet-Branche gar nicht zulassen, der Image-Schaden wäre insgesamt zu groß. Huys rechnet damit, dass es bald zu einem „kommunizierbaren Ergebnis“ kommt.

Gerade für Strato ist die Zusammenarbeit mit KPNQwest allerdings bereits in der Vergangenheit nicht immer nach Wunsch verlaufen. Im März 2001 war der Großteil der von Strato gehosteten Webseiten über mehrere Tage offline, weil KPNQwest einige technische Probleme im Rechenzentrum nicht in den Griff bekam. Alle Sicherheitsvorkehrungen liefen ins Leere, Strato drohte dem Partner mit rechtlichen Schritten.

Mit dem Gericht bekam es nun der Strato-Konkurrent zu tun. Per Einstweiliger Verfügung ließen die Berliner dem zweiten großen Webhoster Deutschlands verbieten, die Strato-Kunden per Pressemitteilung zum Providerwechsel zu veranlassen. 1&1 hatte Ende Mai bekannt gegeben, dass der Webhoster nun eine achtköpfige Taskforce sowie entsprechende technische Kapazitäten aufgebaut habe, „um für alle Fälle gerüstet zu sein“. Was damit gemeint war, wurde ebenfalls erklärt: „Wir machen den Umzug einer Präsenz sehr einfach.“

Welche Wirkung diese Pressemeldung auf die Strato-Kunden hatte, lässt sich nach Auskunft von Christian Kuhse von der Strato- Mutter Teles nicht sagen. Im Internet-Forum von Strato wird das Wort „Kündigung“ jedenfalls seither intensiver diskutiert.

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