Zeitung Heute : Erst die Arbeit, dann der Frost

Wer im Dezember seinen Garten auf Vordermann bringt, hat im nächsten Frühjahr weniger zu tun.

Simone Andrea Mayer
Elfenhaft. Aus den Blüten einiger Clematis entstehen jetzt fedrig zarte Fruchtstände.
Elfenhaft. Aus den Blüten einiger Clematis entstehen jetzt fedrig zarte Fruchtstände.

Im Dezember ruht der Garten – zumindest wenn Schnee liegt. Eine gute Gelegenheit für Hobbygärtner, sich um ihre Geräte zu kümmern, sie zu warten und reparieren zu lassen, sagt Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin. Herrschen draußen keine Minusgrade, kann man aber auch dort noch einiges erledigen – und das kommende Frühjahr vorbereiten.

BEETE ABRÄUMEN

„An schönen Tagen kann ich die Beetflächen, die ich im Frühjahr umgestalten will, abräumen“, sagt die Gartenexpertin. „Alles, was raus muss, kann nun schon weg.“ Dann hat man nach dem Winter, wenn der Garten ohnehin wieder mehr Pflege benötigt, weniger zu tun. Das gilt auch für Pflanzen, die im Beet bleiben sollen: An schönen Tagen geht Van Groeningen durch den Staudengarten und schneidet hier und da ab, was nicht mehr schön ist.

LETZTE GEHÖLZE PFLANZEN

Ist es frostfrei, können auch noch letzte Gehölze wie Obstbäume oder Beerensträucher ins Beet. Neben dem Pflanzschnitt gehören zu den nötigen Arbeiten das Anbringen von Stützpfählen und das gründliche Wässern vor und nach der Pflanzung. Wird die Zeit zu knapp, sollte man damit aber lieber bis zum nächsten Frühjahr warten.

KOMPOST VERTEILEN

Außerdem können Hobbygärtner den Kompost umdrehen. „Je öfter ich das mache, desto besser wird die Erde“, erläutert Van Groeningen. „Ich würde es mindestens einmal im Jahr tun.“ Bereits verrottete Erde kommt auf die leeren Beete. Auch das ist eine Arbeit für das nächste Frühjahr, die nun vorgezogen werden kann.

BODEN AUFBEREITEN

Schwere und lehmige Böden gräbt Van Groeningen im Winter um. Dann sei die Arbeit leichter – denn es sei nur nötig, die Erde grob aufzulockern. Die großen Lehmstücke erledigt dann der Frost: Sie zerbrechen bei Minusgraden, weshalb der Hobbygärtner im Frühjahr nur noch mit der Harke über das Beet gehen muss, um eine krümelige Bodenstruktur zu erhalten.

SCHNEE WEGSCHAFFEN

Dicke schwere Schneedecken sollten Gärtner von Immergrünen holen, sonst zerbrechen diese. Aber: Nicht überall muss die komplette Schneelast weg. Eine Hecke sollte eine schwere Handtasche tragen können, ohne auseinanderzubrechen, sagt Van Groeningen. Entdeckt man nach dem Schneefall, dass die Hecken dieses Gewicht nicht schaffen und aufklaffen, sollte man die Pflanzen in Zukunft stärker schneiden, damit sie verzweigter und somit dichter und stabiler wachsen.

SCHATTEN SPENDEN

Ein Vlies oder ein Platz im Schatten schützt wintergrüne Pflanzen wie den Kirschlorbeer vor der Sonne an frostigen, aber klaren Tagen. Sonst beginnen sie, angeregt von der Wärme der Wintersonne, nach Wasser zu saugen. Da sie keines aus dem gefrorenen Boden bekommen, verdursten sie ohne Sonnenschutz.

PROBLEMZONEN ENTDECKEN

Wer seinen Garten im Dezember nur trist und schmucklos findet, hat etwas falsch gemacht, sagt Van Groeningen. „Gehen Sie dann in einen Park oder einen Botanischen Garten und schauen Sie, welche Pflanzen es dort gibt, die auch in dieser Jahreszeit gut aussehen.“ Samenkapseln, Früchte und eine farbige Rinde können ein Hingucker sein. Mithilfe dieser Inspiration lasse sich der Garten im nächsten Jahr besser planen.

Wer das Grundstück von einem Gärtner neu gestalten lassen will, sollte sich ebenfalls noch im Winter um einen Termin kümmern. Im März seien meist alle vergeben.

SAATGUT BESTELLEN

Den Dezember kann man auch nutzen, um Pflanzkataloge durchzustöbern und neues Grün, Samen und Knollen für Sommerblüher zu bestellen. „Organisieren Sie sich eine Tasse Tee und Kuchen, und überlegen Sie, was Sie im nächsten Jahr im Garten ändern wollen“, sagt Van Groeningen. „Machen Sie sich Notizen. Denn nur wer wirklich recherchiert und plant, rennt im Frühjahr nicht wie ein Huhn ohne Kopf durch das Gartencenter und weiß nicht, was er kaufen soll.“

REPARIEREN UND PFLEGEN

Gartengeräte und Werkzeuge werden jetzt gereinigt. Der Rasenmäher braucht einen Ölwechsel, Heckenschere und Kettensäge werden überholt.

Mildere Tage kann man auch damit zubringen, Wege, Beete oder Beeteinfassungen auszubessern oder neu anzulegen. Wer einen Teich im Garten hat, sollte darauf achten, dass bei Frost immer ein Loch in der Eisdecke bleibt, damit das Wasser Sauerstoff erhält. Vogelhäuschen sollten schon vor dem ersten Schnee aufgestellt werden, damit die Tiere später an die Futterplätze gewöhnt sind und nicht lange suchen müssen.

VORRÄTE KONTROLLIEREN

Wer Obst eingelagert hat, sollte seine Vorräte regelmäßig durchsehen – und irgendwann verwerten. Die betreffenden Räume müssen, je nach Witterung, regelmäßig gelüftet beziehungsweise frostfrei gehalten werden.

DEKOTIPP

Weihnachtsdeko ist nun überall zu sehen. Etwas Schönes, das nicht nach den Feiertagen abgehängt werden muss, sind Girlanden aus Zieräpfeln oder Hagebutten. Diese machen sich gut über der Haustür, schlägt Isabelle Van Groeningen vor. „Hier halten sie sich auch lange, denn es ist kühl und nicht feucht.“ Die Früchte und Samenstände können am Zweig und in Kombination mit Gräsern aber auch einen tollen Strauß fürs Wohnzimmer abgeben. dpa/Tsp

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben