Zeitung Heute : Erst gefeuert, nun gefeiert

Der Tagesspiegel

Von Helen Ruwald

Berlin. Es gibt Menschen, die immer gut gelaunt zu sein scheinen. Sie lachen viel und gern. Oft spricht man in solchen Fällen von einem heiteren Naturell. Dejan Koturovic hat nicht einmal minimale Chancen, jemals mit einem solchen Attribut belegt zu werden. Lachen gehört nicht zu den vorstechenden Eigenschaften des Centers von Alba Berlin. Er wirkt oft grantig und missmutig. Ist er unzufrieden mit seiner Leistung, spiegelt sich das sofort in seinem Gesicht, schauspielern kann er nicht. Umso erstaunlicher war das, was die Kameras der Fotografen am Sonntag einfingen. Auf dem Siegerfoto des Pokalsiegers Alba Berlin strahlt Koturovic zwar nicht so wie seine Kollegen Wendell Alexis und Jörg Lütcke, aber ein Lachen ist unverkennbar. Und dann erst die rechte Hand: Zeige- und Mittelfinger hält er wie Hasenohren über den Kopf von Kotrainer Burkhardt Prigge. Kindisch und glücklich.

Bei Albas 100:88 gegen die Skyliners Frankfurt war der 30-Jährige Berlins überragender Spieler. Seine Bilanz: 18 Punkte, fünf Rebounds, eine Trefferquote von 90 Prozent. Unter dem Korb gelang dem 2,10 Meter langen Nationalspieler einfach alles, hinten wie vorn: Bei sieben Versuchen brachte er den Ball siebenmal im Korb unter. Vor zwei Wochen hatte Alba das Bundesligaspiel gegen die Skyliners noch verloren - Koturovic hatte wegen einer Wadenverletzung gefehlt. Seine Präsenz im Finale brachte die Skyliners um den Sieg. „Mit Dejan ist Alba eine ganz andere Mannschaft“, sagte Frankfurts Trainer Gordon Herbert.

Jetzt feiern die Berliner Koturovic, im September haben sie ihn noch gefeuert. Nach der letzten Saison, in der er großen Anteil am Titelgewinn hatte, wurde er am Knie und an beiden Sprunggelenken operiert. Die Operationen warfen ihn weit zurück, auch mental. Er war mit der vom Verein verordneten Therapie nicht einverstanden und beharrte darauf, in seiner Heimat Belgrad fit zu werden. Als er den Sonderurlaub, den der Klub ihm gewährte, eigenmächtig zweimal verlängerte, warf Alba ihn raus. Während die Mannschaft hart trainierte, weilte der Jugoslawe in der Dominikanischen Republik und ging jeden Tag schwimmen. Da sei er bereits entlassen gewesen, außerdem sei Schwimmen im Salzwasser eine sehr gute Therapie, sagte Koturovic später in einem Interview. Doch da waren die Gerüchte des urlaubenden Faulpelzes längst gestreut. Als sein Nachfolger George Zidek sich schwer verletzte und Alba in der Tabelle immer weiter abrutschte, holte ihn das Präsidium Anfang Dezember zurück. Koturovic fühlte sich wie ein Fremdkörper, „als sei ich direkt vom Himmel in die Halle gefallen“. Die monatelange Pause war schwer wegzustecken. Koturovic spielte mal stark, mal schwach - so wie die ganze Mannschaft. Die überzeugte gegen Frankfurt, und Koturovic, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, brillierte. „Das war die letzte Chance, um nach meiner Verletzung in Form zu kommen“, sagte er, schließlich beginnen am Wochenende die Play-offs. Mit einem Koturovic in Topform hat Alba plötzlich wieder alle Chancen auf den Titel.

Für Bundestrainer Henrik Dettmann ist Koturovic gar „der beste Center der Bundesliga - wenn er gesund und motiviert ist.“ Der Nachsatz ist nicht ganz unwichtig. Koturovic selbst sagte zu seiner Leistung im Finale: „Die Stimmung in der Halle war unglaublich, sodass wir mit großen Emotionen gespielt haben. Wenn ich mit Emotionen spiele, spiele ich gut.“ Aber eben nur dann. Das größte Kompliment kam von Albas Trainer Mutapcic. Er bescheinigte seinem Center NBA-Tauglichkeit. Als Koturovic von dem Lob erfuhr, sagte er emotionslos: „Ich weiß, dass ich in der NBA spielen könnte.“ Keinerlei Freude oder Stolz zeigten sich in seinem Gesicht. Aber man kann ja nicht immer lachen. Und schon gar nicht zweimal täglich.

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