Zeitung Heute : Erst in drei Jahren soll flächendeckend mit der neuen Technologie gearbeitet werden können

Monika Ermert

Breitbandige Internetzugänge gehören längst zum technischen Standard. Der Zugang über die Fernsehkabelnetze gilt als terabitfähige Autobahn für die Surfer von morgen. Noch verfügt in Deutschland nur eine verschwindend geringe Zahl von Usern über die superschnellen Netzzugänge, die durch eine pauschale Zugangsgebühr vor allem für Vielsurfer attraktiv sind. 78 Mark pauschal kostet der Zugang für diejenigen, die auf einer der Inseln leben, die vom Projekt Infocity NRW mit Kabelzugängen versorgt werden. Noch beschränkter ist die Reichweite kleinerer Pilotnetze in Berlin, Köthen oder München. "In Deutschland - dem größten Internet-Markt in Europa - hat das Geschäft mit dem Breitbandkabel noch nicht einmal begonnen," konstatieren die Göttinger Sozialwissenschaftler Volker Wittke und Heidemarie Hanekop in ihrem Beitrag zur Internationalen Konferenz "Telekommunikationspolitik" in den USA an diesem Wochenende.

Kein Wunder also, dass Deutschland auch von den kleinen Nachbarländern Österreich und Schweiz bereits als Internet-Entwicklungsland bezeichnet wird. Allein im Kanton Basel Stadt verfügen heute schon mehr Nutzer über den Kabelinternetanschluß als alle deutschen Pilotinseln zusammen. Knapp 3000 der 200 000 Balcab-Kunden haben sich für den Highspeed-Access über die kleine Kabelgesellschaft entschieden, die nun kräftig an der weiteren Aufrüstung ihres Glasfasernetzes arbeitet. Internet-Bereichsleiterin Béatrice Kirn denkt bereits über die Kooperation mit den umgebenden Landgemeinden im Dreiländereck nach.

Daten im Gigabyte-Bereich

"Unsere Strategie ist es dabei gar nicht, mehr Kabelnetze zu kaufen", sagt Kirn. Vielmehr denkt man an strategische Partnerschaften mit den Gemeinden, die ihre Kabelnetze noch selbst betreiben. Für 57 Franken inklusive der Modemmiete sind die Internet-Nutzer der Balcab "always on", sie bewegen nach Aussage von Kirn teilweise schon Daten im Gigabyte-Bereich. Inzwischen bietet die Balcab, die ursprünglich lediglich Zusatznutzen aus dem Kabel schlagen wollte, vermehrt auch echte Providerdienstleistungen an.

Im Nachbarland Österreich haben die Kabelbetreiber in Wien, Klagenfurt, Graz und Tirol den entgegengesetzten Weg beschritten. Statt selbst in die Technologie einzusteigen, nahm man den niederländisch-amerikanischen Breitband-Spezialisten Chello Broadband in die Netze. Für 590 Schilling, rund 85 Mark, können die Wiener über das Chello-Portal ins Netz.

Anders als beim Balcab-Modell liefert der Provider nicht bloß den Zugang, sondern will auch Inhalteanbieter sein. Die Portale mit Nachrichten und Shoppingmöglichkeiten sind teilweise regionalisiert und, wie im Fall von Wien, mit Informationen lokaler Inhalteanbietern angereichert. "Im Januar wird Chello außerdem in Amsterdam sein TV-Produkt vorstellen", sagt Ulrich Neuert, der als Geschäftsführer neben Chello Österreich nun die deutsche Breitbandwüste mitbetreut.

Damit das gelingt, hat Chello-Mutter United Pan Europe Communications (UPC) fürs Netz der Deutschen Telekom AG mitgeboten. Ein Zuschlag würde die Position UPCs als größter Breitbandanbieter in Europa festigen. Schon heute hat man nach eigenem Bekunden 4,8 Millionen Haushalte am Stammsitz Niederlande, in Belgien, Norwegen, Frankreich und Österreich ans das Breitbandkabel angeschlossen. Deutschland steht als nächstes auf der Liste. Man stehe bereits mit verschiedenen Kabelbetreibern in Verhandlung, so Neuert.

Netze der deutschen Bank

Noch aber müssen deutsche Kabelsurfer warten. Drei Jahre, so schätzen Experten, wird es auch nach dem Verkauf des Telekom-Netzes dauern, bis der Zugang flächendeckend möglich ist. Eine Vorentscheidung, welche Anbietervariante sich durchsetzt, könnte aber mit dem Zuschlag durch die Telekom fallen. Ob eine Entwicklung aus den Regionen heraus, wie im Falle Balcabs, noch möglich ist, ist dabei fraglich. Schon steht der amerikanische Anbieter Exite@Home, der in den USA gerade mit Gemeinden und ISPs um die Exklusivität auf den AT&T-Netzen kämpft, vor der Tür. Zusammen mit Telecolumbus will man den Highspeed-Zugang Mitte kommenden Jahres in den Telecolumbus-Netzen anbieten, die sich die Deutsche Bank gesichert hat.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar