Zeitung Heute : Erst zu Nofretete – und dann?

Sehenswerte Sonderausstellungen am Kulturforum am Potsdamer Platz

Waltraud Hennig-Krebs

Während Nofretete am Kulturforum Hof hält, gehen viele Werke des Ägyptischen Museums auf Reisen. Als zentrale Veranstaltung des „German Year“ in Japan wird in Tokio und Kobe die Ausstellung „Visions of the Devine – Masterpieces from the Museum Island Berlin“ gezeigt. Unter den 150 Leihgaben aus allen – auch den künftigen – Sammlungen auf der Museumsinsel ist Ägypten mit 30 Objekten vertreten. Gleichzeitig wird im Museo Nacional de Antropología in Mexiko-Stadt als Gegengabe für die Aztekten-Ausstellung im Martin-Gropius Bau im Jahr 2003 eine große Ägypten-Ausstellung „faRaon“ mit Leihgaben aus Berlin und – zu einem Viertel – aus München gezeigt. Im ehemaligen Ägyptischen Museum wird Ende 2006 die Sammlung Scharf-Gerstenberg den bereits durch das Museum Berggruen vertretenen Schwerpunkt Klassische Moderne der Staatlichen Museen zu Berlin weiter ausbauen, so dass Charlottenburg auch künftig ein Highlight der Berliner Museumslandschaft bleibt.

Doch auch die Museen im Umfeld der ägyptischen Königin haben Sehenswertes zu bieten. So zeigt die Neue Nationalgalerie bis zum 22. Mai unter dem Titel „Gegenwelten. Das 20. Jahrhundert in der Neuen Nationalgalerie“ ihre eigene Sammlung, ergänzt um Hauptwerke der Sammlungen Erich Marx und Friedrich Christian Flick. Am 8. April (20 bis 23 Uhr) wird sich in Mies van der Rohes gläsernem Tempel mit der Performance „VB55“ ein langjähriger Traum der 1969 in Genua geborenen und heute in New York lebenden Künstlerin Vanessa Beecroft erfüllen. Sie arbeitet mit nackten, stilisierten Frauenkörpern, die zu Tableaus werden, auf denen sich die Bilder der Werbung ebenso wie die utopischen Visionen über das Klonen von Körpern reflektieren. In der Jubiläumsausstellung „Die ,Brücke‘ und Berlin. 100 Jahre Expressionismus“, die vom 8. Juni bis 28. August läuft, wird eine hochkarätige Auswahl von etwa 350 Werken gezeigt. Erstmals wird ein Interieur von Kirchners zweitem Berliner Atelier, dem so genannten „Zelt“, mit den originalen gestickten Textilien und dem ebenfalls erhaltenen geschnitzten Hausrat rekonstruiert.

Eine der wichtigsten zeitgenössischen Designschulen, die Studierende aus aller Welt anzog, war bis 1968 die Hochschule für Gestaltung Ulm. Ihre spezielle Methodik, die sich durch die enge Verbindung von Theorie und Praxis auszeichnet, hat als „Ulmer Modell“ international die Ausbildung von Designern geprägt. Aus Anlass des 50. Gründungsjubiläums zeigt das Kunstgewerbemuseum bis zum 12. Juni „Ulmer Modelle — Modelle nach Ulm“.

Parallel zu dieser Ausstellung ist in der Kunstbibliothek noch bis zum 3. April „Herbert W. Kapitzki und die Tradition des Sachlichen“ zu sehen. Der einstige Schüler von Willi Baumeister entwickelte eine klare Formensprache, die konstruktiven Vorbildern folgte. Die Ausstellung zeigt die unterschiedlichen Facetten seiner gestalterischen Arbeit und beleuchtet an wenigen Beispielen Herkunft, Umfeld und Ausstrahlung seines Werkes. Die 1930er Jahre der „Berliner Modefotografie“ stehen vom 13. Mai bis zum 24. Juli im Mittelpunkt einer Sonderausstellung, die ebenfalls in der Kunstbibliothek stattfindet. Bei den rund 100 Fotografien, als Vintage-Prints aus der Sammlung der Lipperheideschen Kostümbibliothek, sind elf prägende Berliner Modefotografen vertreten. Ergänzend dazu werden Zeitdokumente präsentiert. Sie verweisen auf den engen Zusammenhang der fotografischen Produktion mit den massiven politischen Umwälzungen, der gesamtwirtschaftlichen Lage sowie auf die Verwendung von Fotografie im Kontext von Werbung und Presse.

Der „Splendor Solis oder Sonnenglanz“ gehört zu den anspruchsvollsten deutschen Handschriften des 16. Jahrhunderts im Kupferstichkabinett . Der Prachtband ist das älteste erhaltene Exemplar einer alchemistischen Grundlehre. Vom 24. 6. bis zum 11.9. vermittelt der Band den Besuchern tiefe Einblicke in kreative Prozesse der frühen Neuzeit.

Die Gemäldegalerie widmet sich vom 22. März bis 16. Mai „Tulpen und Frühblühern“ auf ausgewählten Meisterwerken des 17. Jahrhundert, die durch die Blütenpracht niederländischer Stillleben – es sind Leihgaben des Kupferstichkabinetts und des Kunstgewerbemuseums – ergänzt werden. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Sonderschau „Tulipan“ des Britzer Gartens anlässlich dessen 20-jährigen Bestehens statt. Und „Am Fuß der Treppe“ zur Studiogalerie wird jeden Monat ein anderes ausgewähltes Stück aus dem Depot präsentiert. Im März wird ein delikates Stilllebenpaar von Johann Amandus Winck gezeigt.

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